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Maget: »Wir wollen ein gentechnikfreies Land«

Verfasst von genfood am 6. August 2008

Übersee. Großes Interesse an der ökologischen Landwirtschaft zeigte der SPD-Fraktionschef im bayerischen Landtag, Franz Maget, auf dem Bauernhof von Bauernverbands-Obmann Willi Siglreitmeier in Übersee. Bei dieser Gelegenheit diskutierte der Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 28. September mit den rund 30 anwesenden Landwirten deren Sorgen und Nöte.

In punkto »Milchpreis« forderte Maget nun endlich eine dauerhafte Regelung. »Gerade in Bayern ist die Milchwirtschaft wichtig. Sie gehört zum Land dazu und die Politik ist aufgerufen, Lösungen zu finden«. Auch zum Thema »Gentechnik« bezog der SPD-Politiker klar Stellung. »Wir wollen ein gentechnikfreies Land, jede andere Möglichkeit, wie die Abstandsregelung, ist uns zu wackelig«, betonte Maget. Ihn freue es, dass Franz Gnadl für den Landtag kandidiere. Im Falle seiner Wahl soll der Überseer landwirtschaftlicher Sprecher der SPD-Fraktion werden.

Landwirte haben 2,80 Euro Stundenlohn

Bauernobmann Sepp Sichler aus Grassau meinte, die CSU werde nicht gewählt, weil sie so gut sei, sondern weil sie als kleineres Übel gelte. Zur Diskussion um den Mindestlohn sagte er, die Landwirte hätten einen durchschnittlichen Stundenlohn von 2,80 Euro, gefordert werde auch hier ein Mindestlohn von 7,50 Euro. Im restlichen Europa zahlten die Bauern zudem – anders als in Deutschland – fast keine Mineralölsteuer. Geärgert habe ihn auch, dass jede Gewerkschaft streiken dürfe, nur bei den Landwirten drohe das Kartellamt gleich mit hohen Geldstrafen.

Den Mindestlohn halte er für sehr wichtig, denn es müsse eine Untergrenze geben, erwiderte Franz Maget. Landwirte seien selbstständig und daher müsse für es für diese eine andere Regelung geben. Viele Regelungen in der Landwirtschaft, die in Norddeutschland gut passten, hätten aber für die Milchwirtschaft im klein strukturierten Bayern keinen Bestand.

Willi Siglreitmeier forderte, dass den Basispreis für einen Liter Milch eine unabhängige Kommission ausrechnen solle, wobei Arbeitszeit und Unkosten der Bauern eingerechnet werden müssten. Preissteigerungen belasteten auch die Bauern. So sei der Dieselpreis enorm gestiegen und auch der Düngerpreis habe sich verdoppelt. Solche Kosten müssten im Basispreis berücksichtigt werden. Siglreitmeier erklärte, dass in den drei Monaten, als der Landwirt 43 Cent pro Liter erhielt, wieder investiert wurde. »Hat der Bauer Geld, hat es die ganze Welt«, laute ein Sprichwort.

40 Cent seien für die, die Massen produzierten, ein unglaubliches Geschäft, entgegnete Maget. Man müsse vielmehr die Arbeit und die Qualität würdigen und dies dürfe nicht als Beihilfe gelten, sondern als Qualitätszuschlag. Dies wiederum würde die kleinteilige Struktur stärken. Auch würde er sich wünschen, dass der Bauernverband mehr differenziere und die regionale Situation stärker berücksichtige. Für Bayern sei Kulturförderung wichtig, denn durch die Almwirtschaft wäre die Arbeit besonders erschwert und es könne nicht so viel produziert werden.

Sylvester Fuchs beklagte, dass auch beim Zubrot »Urlaub auf dem Bauernhof« die Aufenthaltszeiten zurückgingen. Außerdem konsumierten die Gäste Billigprodukte aus den Discountern. Maget bestätigte den Urlaubstrend »kürzer, näher, öfter«. Es werde zwar schon noch Geld für den und im Urlaub ausgegeben; allerdings seien drei Wochen Urlaub auf dem Bauernhof aus der Mode gekommen. »Wir müssen den Landwirten spezielle Unterstützung gewähren und zusätzlich zum Milchpreis einen Ausgleich für erschwerte Bedingungen anbieten«, sagte der SPD-Politiker.

Bernhard Hennes erklärte, dass sich die Initiative »Zivilcourage« im Hinblick auf die Bedrohung durch die Agro-Gentechnik gegründet habe, um Bauern, aber auch Politiker zu informieren. Politiker, egal welcher Parteizugehörigkeit, hätten hier ein Informationsdefizit. Der Anbau von Genmais müsse bayernweit verboten werden. Die SPD habe ja bereits vor fünf Jahren ein grundsätzliches Verbot von gentechnisch verändertem Saatgut gefordert, wie es die Protokolle beim Landtag nachwiesen, antwortete Maget. Eine Abstandsflächenregelung halte er deshalb für nicht ausreichend.

Gentechnik kann man nicht ausschalten

Das größte Übel sei die Agro-Gentechnik, so Bio-Landwirtin Birgit Gnadl: »Wenn diese Einzug hält, ist es vorbei mit der ökologischen Landwirtschaft«. Biobauern hätten eine große Umsatzsteigerung, die dann wieder weg wäre. »Wir wollen keine Almosen, wir wollen für unsere Arbeit Geld erzielen«, sagte sie. »Atomkraftwerke können wir ausschalten, die Gentechnik nicht«, fügte sie hinzu. Dazu Maget: »Wir brauchen eine Entscheidung, dass sich Bayern zur gentechnikfreien Region erklärt«. Jedwede Verbreitung gentechnisch veränderter Produkte müsse untersagt werden.

Schließlich wurde noch nach der Erbschaftssteuer gefragt. Laut Maget soll es eine Zehn-Jahres-Regelung geben. Wenn ein Hof zehn Jahre vom Erben weiter bewirtschaftet wird, falle keine Erbschaftssteuer an. Nach acht Jahren seien 20 Prozent der Steuer fällig. Die Bundestagsabgeordnete Bärbel Kofler ergänzte, dass gerade die Diskrepanz zwischen Ertrags- und Verkehrswert diskutiert werde. Während im Alpenraum der Ertragswert relativ gering sei, sei dafür aufgrund der Grundstückpreise der Verkehrswert sehr hoch. Mit der bisherigen Besteuerung würde so mancher Haus und Hof verlieren. Nach dem Verkehrswert zu besteuern sei aber vom Tisch.

gefunden bei: Traunsteiner Tagblatt

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