Genfood

deutschsprachiges Newsarchiv über Genfood und Gentechnik

„Wir sehen uns als offene Plattform“

Geschrieben von genfood am 21. Juni 2008

Buttelstedt. (tlz) Unternehmer mit gentechnisch veränderten Pflanzen im Produkteportfolio und Gegner der Gentechnik bringen sich in Stellung für die DLG-Feldtage, die kommenden Dienstag in Buttelstedt beginnen. Beiden Seiten ist Aufmerksamkeit gewiss bei Besucherzahlen, die nach vorsichtigen Kalkulationen der Veranstalter weit in den fünfstelligen Bereich hinein reichen sollen. In Weimar ist für die Zeit der Feldtage schon kaum mehr ein Übernachtungsplatz zu haben. Über Wünsche, Befürchtungen und Erwartungen an die agrarwirtschaftliche Großveranstaltung sprachen wir mit Werner Mutz, bei der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft Projektleiter im Fachbereich Ausstellungen.
Mehr als 270 Aussteller nutzen die Feldtage, um sich auf 36 Hektar zu präsentieren und auf ein einziges Produkt, den Monsanto-Mais MON 810, konzentriert sich die öffentliche Aufmerksamkeit. Gut oder schlecht für die Publicity der Feldtage?

Die Gentechnik-Parzelle hat eine Größe von 240 Quadratmetern. Daraus wird in Bezug auf die Gesamtfläche deutlich, dass die Grüne Gentechnik aktuell bei den Betriebsmittelherstellern, die als Aussteller bei den Feldtagen auftreten, nur eine kleinere Rolle spielt. Die Veranstalter und die Aussteller sind an einem guten Besuch der Veranstaltung interessiert. Wir rechnen mit 19 000 Besuchern, überwiegend Landwirten aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland. Sicher ist es auch für die Öffentlichkeit in und um Weimar interessant, dass alleine das Standpersonal der Aussteller etwa 10 000 Übernachtungen für die Region bringt. Und die Leute gehen ja auch noch irgendwo abends in den wunderbaren Restaurants Weimars Essen. Von den Mehrtagesbesuchern ganz zu schweigen. Die aktuelle lokale Diskussion um die Grüne Gentechnik hat auf die Publicity bei den Landwirten wenig Einfluss.

Welche Maßnahmen haben Sie als Veranstalter ergriffen, nachdem vor fünf Wochen Anpflanzungen zerstört worden waren? Wie sehen die Äcker heute aus?

In der Nacht zum 20. Mai wurden von Unbekannten Maisparzellen von 13 Ausstellern zerstört. Dabei handelte es sich um Parzellen mit konventionell, also ohne Verwendung der Gentechnik, gezüchteten Maissorten. Die DLG hat die Bewachung des Geländes verstärkt. Die betroffenen Aussteller haben je nach Schadensumfang unterschiedlich reagiert. Einige haben eine Neuansaat vorgenommen, andere haben die geschädigten Pflanzen stehen lassen, in der Hoffnung, dass sie wieder austreiben und weitere Aussteller haben Pflanzen aus anderen Beständen in mühsamer Kleinarbeit eingepflanzt. Diese Bestände haben natürlich gegenüber den nicht beschädigten Parzellen einen deutlichen Nachteil in der Präsentation während der DLG-Feldtage 2008.

Die Aktionen gegen MON 810 – legal oder illegal – legen nahe, dass weiterhin erheblicher Diskussionsbedarf hinsichtlich gentechnisch veränderter Agrarprodukte besteht. Werden die Feldtage dafür ein Forum bieten?

Das Zerstören von Pflanzenbeständen auf Feldern ist eindeutig illegal. Deshalb haben auch die DLG und die betroffenen Aussteller Strafanzeige gestellt. Der Anbau von MON 810 ist nach deutschem und europäischem Recht erlaubt. Die DLG ist eine offene Plattform, die keine bestimmte Anbaurichtung repräsentiert. So sind neben Unternehmen aus der Pflanzenzüchtung und der Agrarchemie stets auch Unternehmen des ökologischen Anbaus als Aussteller auf den DLG-Feldtagen. Am 25. Juni, 12.30 Uhr, bietet die DLG ein Forum auf dem Veranstaltungsgelände zum Thema "Grüne Gentechnik – quo vadis?" an. Zu dieser Veranstaltung wurde auch Frank Augsten, Geschäftsführer von Thüringer Ökoherz, das auf den DLG-Feldtagen 2008 ausstellt, als Podiumsteilnehmer eingeladen. Darüber hinaus werden in der Zelthalle 1 etliche Aussteller den Veranstaltungsbesuchern im Themenzentrum "Grüne Gentechnik" Auskünfte zum Thema erteilen, unter anderem zur Bedeutung dieser Technologie weltweit, die im letzten Jahr von 12 Millionen Landwirten auf 114 Millionen Hektar angewandt wurde. Zum Vergleich: Die landwirtschaftliche Nutzfläche in Deutschland beträgt 17 Millionen Hektar.

Weltweit steht die Landwirtschaft vor Herausforderungen wie seit den Anfängen ihrer Industrialisierung (und damit der relativen Absicherung gegen Hungersnöte) nicht mehr: Nachhaltigkeit versus Produktionssteigerung; extensive versus intensive Bewirtschaftung; Hungerbekämpfung versus Energiegewinnung. Wird die DLG Stellung beziehen angesichts der kontroversen Anforderungen?

Die DLG wird während der Veranstaltung an verschiedenen Stellen Stellung beziehen. Unter anderem wird dies DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung, in einer Pressekonferenz und am Begrüßungsabend tun, an dem auch der Ministerpräsident Thüringens, Dieter Althaus, teilnimmt, was unterstreicht, welche große Rolle die DLG-Feldtage 2008 als das nationale Ereignis für die Pflanzenproduktion in Thüringens Politik einnehmen. Darüber hinaus wird es auf den DLG-Feldtagen 2008 ein Informationszentrum "Bodenschonung durch optimale Zugkraftübertragung" geben, in dem vermittelt werden soll, dass durch entsprechende Maßnahmen die Ertragsfähigkeit der Böden entscheidend verbessert werden kann. In einem weiteren Informationszentrum "Pflanzen ohne Schutz? – Neue Gesetze und die Folgen" wird gezeigt, welche Konsequenzen die aktuelle Gesetzgebung der Europäischen Union auf die Ertragssicherheit haben kann.

Wie kam die Wahl des Standorts für die DLG-Feldtage auf Buttelstedt?

Die DLG-Feldtage finden seit 1988 jedes zweite Jahr in einem anderen Bundesland statt. Für 2008 wurde erstmals Thüringen ausgewählt. Die Veranstalter und die Aussteller haben große Anforderungen an den Veranstaltungsbetrieb wie Engagement des Betriebsleiters, Qualität des Bodens, Ebenheit und Gleichförmigkeit des Geländes, Wasserversorgung, Räumlichkeiten, Anfahrt und vieles andere. Nach der Prüfung etlicher Betriebe in Thüringen stellte sich das Thüringer Lehr,- Prüf- und Versuchsgut als optimal heraus.

gefunden in: Thüringer LandesZeitung

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