Potz-Blitz, wer hätte das gedacht. Nun werden auch schon Rinder und Schweine privatisiert und als eigene Erfindungen publiziert. Wer dies ungläubig beäugt, wird zu dem Schluss kommen, dass das kein verspäteter Aprilscherz ist, sondern gewollte Realität seit Februar diesen Jahres.

Der erste Anspruch in EP 1141418 der Patentinhaber lautet: „Verfahren zum Auswählen eines Haustieres, so dass dieses gewünschte genotypische Eigenschafen aufweist, bei dem man das Tier auf das Vorhandensein eines elterlich bedingten Quantitativen Trait Locus (QTL) testet.“

Diese Genotypischen Eigenschaften beziehen sich auf Leistungsmerkmale wie die erhöhte Milchproduktion bei Kühen, weniger Fettanteil, Muskelmasse, verbesserte Gewichtszunahme sowie andere Mastleistung bei Schweinen. Diese Genvarianten werden bereits in der Zucht genutzt. Hierzu wird ‚Imprinting’ betrieben und hat erhebliche Auswirkungen auf Landwirte sowie Züchter. Teuerung ist an der Tagesordnung.

Was die Patentinhaber gänzlich vergessen haben, steht auf einem anderen Blatt. Es handelt sich prinzipiell um eine Geschäftsidee die keinem Patentrecht unterliegt, wie aus dem EPÜ Artikel 52 () herauszulesen ist. Ebenfalls die Züchtung von Pflanzen und Tieren fällt unter keinen Bezug zur möglichen Patentierung ().

Auch bei der Patentierung unter der Anmeldung EP 1506316 handelt es sich im wesentlichen um eine Geschäftsidee und Verfahren zur Züchtung normaler Tiere. Das Patent auf „Methoden zur Verbesserung der Ausbeute in der Tierzucht“ wurde am 16.1.2008 für Züchter aus Kanada erteilt. Insbesondere Rinder und Schweine sollen je nach Veranlagung und Bedarf miteinander gekreuzt werden, wobei Fleisch mit jeweils unterschiedlichem Fettanteil produziert werden soll. Darin liegt eine Selektierung zu Grunde, denn die Fettleibigkeit der einzeln „gewonnenen“ Tiere sollen in Untergruppen kategorisiert werden.

Beide Patente sind der Schritt zur Monopolisierung von Tierzuchtverfahren.

Auch Monsanto drehte schon einmal am Rad der Zeit und versuchte selbiges für Firmenzwecke als Eigentum bezeichnen zu wollen. Das Patent zur Zucht von Schweinen wurde international kritisiert, worauf hin Monsanto im September 2007 ankündigte den Geschäftszweig ‚Tierzucht’ komplett zum Verkauf zu stellen. ()

Der Löwe hat aber lediglich nur gut gebrüllt, denn vom Tisch ist das beantragte Patent noch lange nicht. Das Europäische Patentamt wird dem Patent EP 165777 - mit dem Ursprung Monsanto - Zuspruch erteilen. Wenngleich in deutlich reduzierter Form und selbstverständlich als Eigentum einer anderen Firma.

“Hier wird den Bauern der eigene Hof unter dem Hintern wegpatentiert. [..]Bauern sollen zur Kasse gebeten und die freie Tierzucht unmöglich gemacht werden [..]“, erklärt Maria Heubuch, Bundesvorsitzende der AbL und Milchbäuerin aus dem Allgäu.

Die zuständige Justizministerin Brigitte Zypries schaut stillschweigend zu.

Mit einem zweifelndem Auge betrachtet: Eugenetik oder Rassenhygiene in der Zoologie “Den Bauern nahm man die Freiheit zu entscheiden, was sie anbauen, den Verbrauchern die Freiheit zu wählen, was sie essen wollten.”

Vandana Shiva

gefeunden bei: Radio Utopie

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