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Der Raps-Rebell aus Kanada

Verfasst von genfood am 10. Mai 2008

Zum Bonner Naturschutzgipfel berichtet derkanadische Farmer über seinen Kampf gegen Monsanto.

Von Angelika Hillmer

Raps gehört zu der Familie der Kreuzblütler (auch Kohlgewächse genannt) und ist mit Radieschen, Senf, Rettich, Kresse und verschiedenen Kohlsorten verwandt. Inwieweit sich gentechnische Erbinformationen auf die Verwandtschaft und auf Wildformen übertragen können, ist umstritten. Foto: DPA

Er ist 77 Jahre alt und kommt geradewegs aus Kanada nach Hamburg-Altona: Trotz Jetlag und Langstreckenflug sprüht Percy Schmeiser vor Energie, wenn er von seinen Erfahrungen mit dem Gentechnikkonzern Monsanto erzählt. Dieser hatte ihn im Jahr 1998 auf 400 000 Kanadische Dollar (260 000 Euro) Schadenersatz verklagt, nachdem die von Monsanto patentierte Gentech-Rapssorte "Canola Roundup Ready" 1997 als Verunreinigung in Schmeisers konventionellem Rapsfeld aufgetaucht war und der Farmer dafür keine Lizenzgebühren zahlen wollte. Die Klage gab den Startschuss für den Feldzug David gegen Goliath, Schmeiser kontra Monsanto.
"Im vergangenen Jahr waren meine Frau Louise, heute 76 Jahre alt, und ich zehn Monate in der Welt unterwegs, um vor der Gentechnik in der Landwirtschaft zu warnen", erzählt Schmeiser. Dass er gerade jetzt mal wieder durch Deutschland tourt, ist kein Zufall: Am Pfingstmontag treffen sich 2000 Delegierte aus rund 150 Staaten in Bonn, um über das Protokoll zur Biologischen Sicherheit zu verhandeln. Es regelt den Umgang mit Risiken des internationalen Handels mit gentechnisch veränderten Organismen, ein Abkommen im Rahmen der Uno-Konvention zur Biologischen Vielfalt. Deren 191 Vertragsstaaten treffen sich eine Woche später am Rhein.
Im Vorfeld der Konferenzen verkündet Schmeiser von Hamburg bis Straubing, Bonn bis Dresden seine immer gleiche Botschaft: "In Kanada gibt es kein Raps-Saatgut mehr, das nicht gentechnisch verunreinigt ist. Dasselbe gilt für Soja. Als die transgenen Sorten 1996 erstmals auf die Äcker kamen, hat uns niemand davor gewarnt. Heute wissen wir: Wenn gentechnische Pflanzen erst einmal ausgesät sind, findet man sie oder ihre Gen-Konstrukte bald überall. Hier in Europa habt ihr noch die Wahl, euch gegen Gentechnik zu entscheiden. Und ihr könnt im Nachhinein nicht sagen, ihr hättet nichts gewusst."
Der kanadische Bauer engagiert sich seit Jahrzehnten politisch, war Mitglied des Parlaments der Provinz Saskatchewan im Westen Kanadas und Bürgermeister seiner Heimatstadt Bruno. Doch seit 1998 bestreitet er die Kampagne seines Lebens – und ist stolz auf das Erreichte: "Meine Frau und ich hätten niemals gedacht, dass wir so viel bewegen könnten."
Der Angriff durch Monsanto war heftig. Eine Schadenersatzforderung von mehreren Hunderttausend Dollar ist für viele Farmer der Untergang. Es kam zu einem Prozessmarathon, das 2004 vor dem obersten kanadischen Gericht endete. Es entschied, dass Schmeiser zwar keinen Schadenersatz zu zahlen hatte, bestätigte aber zugleich, dass das Patent von Monsanto in solchen Fällen greift. Schmeiser: "Für den Farmer bedeutet das: Wenn sein Feld auch nur zu einem oder einem halben Prozent mit Gentech-Raps kontaminiert ist, geht die gesamte Ernte, die Pflanzen und das Saatgut in den Besitz von Monsanto über."
Das Gericht begründete seine Sichtweise damit, dass die Gentech-Varianten auf dem Feld nicht von den konventionellen Sorten zu unterscheiden seien – "für Bienen übrigens auch nicht", fügt Schmeiser verschmitzt hinzu. Er ging 2005 zum Gegenangriff über. Damals fand er erneut Monsanto-Raps auf seinen Feldern und verlangte vom Konzern, die Verunreinigung zu beseitigen. Schließlich ließ er die Fremdlinge selbst vernichten und reichte die Rechnung über 660 Dollar bei Monsanto ein. Kurz vor einem Prozesstermin willigte der Konzern ein, die Kosten für die Beseitigung tragen. "Ich fühle mich jetzt wirklich wie ein Gewinner. Denn dies bedeutet, dass die Gentechnik-Vermarkter oder -Anwender für die Verunreinigung haftet und die betroffenen Bauern nicht auf dem Schaden sitzen bleiben. Das gilt vor allem für Bio-Landwirte, die nur gentechnikfreie Ware verkaufen können."

Percy und Louise Schmeiser sind längst menschliche Aushängeschilder im Kampf gegen die Gentechnik, erhielten 2007 für ihr Engagement den Alternativen Nobelpreis. Unermüdlich reisen die Eheleute um die Welt. "Das Schlimmste ist, dass wir so oft von unserer Familie getrennt sind", sagt Schmeiser, Vater von fünf Kindern, 15 Enkeln und einem Urenkel. Viele Familienmitglieder seien im Landwirtschaftsbereich aktiv, aber niemand ist Farmer.

Er habe sein Land inzwischen verpachtet. Bis auf einen "kleinen Teil" (75 Hektar), den er selbst noch beackert, sagt. Schmeiser. "Am 23. Mai sind wir wieder zu Hause. Dann wird ausgesät." Allerdings wird auf seinem Boden kein Raps mehr wachsen. Den baut Schmeiser bereits seit 1998 nicht mehr an.

Die Konferenz zum Biosafety-Protokoll (12.-16.5.) live im Internet (engl.): www.cbd.int

gefunden bei: Hamburger Abendblatt

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