Archiv nach Monaten: Mai 2008

Von Manuela Mayr

Augsburg/Kaisheim. Der Imker Karl-Heinz Bablok muss auch in diesem Sommer rechtzeitig vor der Maisblüte mit seinen Bienen "auf die Flucht" gehen. Sein Bienenhaus steht in rund 1500 Meter Entfernung von einem Versuchsfeld des Freistaats auf dem Neuhof bei Kaisheim (Kreis Donau-Ries).

Imker Bablok kämpft für einen genfreien Honig.

Dort wird die gentechnisch veränderte Maissorte Mon 810 angebaut, die nur als Futtermittel, nicht aber als Lebensmittel zugelassen ist. Pollen von diesem Mais, den die Bienen in ihren Stock schleppen, darf deshalb selbst in geringsten Mengen nicht in den Honig gelangen. Sonst darf der Honig nach Auffassung des Verwaltungsgerichts Augsburg nicht mehr als Lebensmittel verkauft werden.

Die Bestätigung, dass für Honig "null Prozent Toleranz" gelte, was die Verunreinigung mit Bestandteilen von Mon 810 betrifft, war ein juristisches Ziel des Bündnisses zum Schutz der Bienen vor Agro-Gentechnik gewesen. Die praktischen Auswirkungen hat der Kläger Karl-Heinz Bablok zu tragen: "Ich bin der Dumme" sagt er. Er kann zwar den Schaden für den unverkäuflichen Honig gegenüber dem Anbauer geltend machen, urteilte die 7. Kammer des Verwaltungsgerichts unter Vorsitz von Evelyn Leder. Den Nachweis über die Verunreinigung muss allerdings er führen. Und es sei auch Sache der Imker, dort wo es möglich ist, die Bienen während der Maisblüte in Sicherheit zu bringen. Ein Flug-Radius von drei Kilometern, in dem die Bienen laut Experten 90 Prozent des Nektars und des Pollens sammeln, wird dabei zugrunde gelegt. Im Fall von Karl-Heinz Bablok sieht das Gericht den Aufwand als zumutbar an, die schweren Bienenkästen während der Maisblüte nach Leitheim zu versetzen. Auch dafür könne Schadenersatz verlangt werden.

Klageweg durch alle Instanzen

Das Imker-Bündnis, das bereits 70 000 Euro in den Prozess investiert hat, will in Berufung gehen und den Klageweg notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof gehen. In Augsburg führte aufseiten des beklagten Freistaats der Anwalt der drei beigeladenen Firmen Monsanto Company, Monsanto Technology und Monsanto Agrar Deutschland das Wort. Er gebe zum Prozess keine Statements ab, sagte er.

gefunden bei: Ausgburger Allgemeinen

leider hatten wir die Ankündigung nicht mehr früh genug online bekommen, so dass viele unserer Leser die Dokumentation nicht sehen konnten - wir haben gesucht, und sind fündig geworden.

hier die Doku:

und eine Gesprächsrunde die ARTE im Anschluss an die erste Ausstrahlung vom 17.05.2008:

beides sehr sehenswert.

Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel sind weltweit ein Milliardengeschäft. Aber nur einige wenige Grosskonzerne kontrollieren dieses Geschäft.

Sie heissen Monsanto, Dupont und Syngenta, sie teilen sich den Markt auf. Die Agro-Multis könnten Teil der Lösung der Nahrungsmittelkrise sein und mit innovativen neuen Pflanzen mithelfen, die Welt in Zukunft zu ernähren, sagen sie selbst. Doch ihre hohe Marktmacht ist gefährlich.

hier hören! (.mp3)

gefunden bei: DRS

Monsanto – ein Film belegt die Verflechtung von Wirtschaft, Wissenschaft und Behörden
Von Alfred Jantz

Die Agrarlobby und auch Politiker wie Bundesminister Horst Seehofer (CSU) behaupten, mit der »Grünen Gentechnik« werde die Futter- und Lebensmittelerzeugung weltweit leistungsfähiger, preiswerter und sicherer. Der sehenswerte Film von Marie-Monique Robin »Monsanto, mit Gift und Genen«, der heute um 23.15 Uhr im WDR ausgestrahlt wird, belegt: Dies ist unwahr – die Gesundheit der Verbraucher bleibt auf der Strecke.

Der Film, für den Frau Robin mit dem bedeutenden Journalistenpreis »Albert Londres« ausgezeichnet wurde, entstand auf der Basis dreijähriger, weltweiter Recherchen, freigegebener Gerichtsakten und auch unter Verwendung offizieller Internet-Seiten von Monsanto. Der Wahrheitsgehalt ist daher nachprüfbar, was angesichts der globalen Macht des Konzerns wohl auch notwendig war.

Besonders interessant ist der permanente »Drehtür-Effekt« zwischen Gentechnik-Experten und der US-Zulassungsbehörde »Food and Drug Administration« (FDA) – Konzernexperten wechseln mit praktisch fertigen Texten zur Behörde und auch wieder zurück. Der FDA-Verantwortliche James Maryanski sagt im Film, die Zulassung gentechnisch veränderter Organismen (GVO) sei aus rein politischen Gründen erfolgt. Toxikologische Langzeitstudien, wie vor der Zulassung von Pestiziden üblich, fehlen.

Monsanto hält heute 90 Prozent aller Gentechnikpatente. Der Agromulti schickt eine eigene Gentech-Polizei weltweit in landwirtschaftliche Betriebe, um Patentverstöße festzustellen.

Die »Grüne Gentechnik« überspringt bewusst Artenschranken, z.B. zwischen Pflanzen und Bakterien, was bei der klassischen Züchtung nicht erfolgt. Ungewollte Effekte wie z. B. die Bildung giftiger Proteine, Auslösung von Al-lergien, Antibiotika-Resistenzen oder sogar Fehlsteuerungen beim primären Prozess von Zellteilungen im menschlichen Körper werden immer wieder beobachtet. Letzteres kann nach Jahrzehnten sogar Krebs auslösen.

Nach einem Gutachten des »Fish and Wildlife Service« in den USA haben 44 Prozent der befragten Wissenschaftler ausgesagt, sie seien angehalten worden, Daten zum Artenschutz zurückzuhalten. Dies räumt mit dem Mythos einer unabhängigen Wissenschaft auf. Und auch die Europäische Behörde EFSA ließ bei der Genehmigung nur positive Meinungen zur Gentechnik gelten. So wurde vor zehn Jahren der ungarisch-britische Wissenschaftler Arpad Pusztai nach Veröffentlichung seiner Forschungen an Ratten, die genmanipulierte Kartoffeln gefressen hatten, nach 30-jähriger erfolgreicher wissenschaftlicher Arbeit im schottischen Rowett-Research-Institute plötzlich gefeuert und mit Verleumdungskampagnen überzogen. Ähnlich erging es der russischen Forscherin Irina Ermakova 2005 nach Veröffentlichung ihrer Studie über die Fütterung weiblicher Ratten in der Trage- und Stillzeit mit Roundup-Ready-Soja, die eine erhöhte Sterblichkeit der Jungtiere ergab.

Auch der Fruchtbarkeitsverlust von Milchkühen nach längerer Fütterung mit Gen-Mais in den USA ist inzwischen dokumentiert und war nach längerer Fütterung mit natürlichen Mais reversibel.

Der WTO-Vertrag erleichtert es insbesondere den USA, gegen andere Staaten erfolgreich zu klagen, falls der »freie Warenverkehr« mit GVO-Produkten eingeschränkt wird. Im Gegensatz dazu gibt es bis heute keinen gültigen Vertrag zu internationalen Haftungsfragen.

Der hochaktuelle Film von Marie-Monique Robin ist ein Muss für Verbraucher, die wissen wollen, welch gefährliches Spiel mit ihrem Leben und der Artenvielfalt getrieben wird. Die Fakten sind hilfreich für die Öffentlichkeitsarbeit von Parteien und Nichtregierungsorganisationen.

Unser Autor ist Diplom-Lebensmittelchemiker und aktiv beim Umweltverband BUND in Mecklenburg-Vorpommern.

Kirchberg an der Murr/Erdmannhausen – Die Initiative gegen Gentechnik warnte bei einer Podiumsdiskussion vor den Gefahren, die von genmanipuliertem Saatgut ausgehen. F. William Engdahl, Autor des Buches Saat der Zerstörung und einer der Referenten, sprach gar vom größten gefährlichen Massenexperiment an der Menschheit.

VON MATTHIAS NOTHSTEIN

Mehrere Hundert Landwirte und Verbraucher waren am Montagabend in die Halle auf der Schrey nach Erdmannhausen gekommen, um an der Informationsveranstaltung teilzunehmen. Was sie hörten, stimmte sie nachdenklich. So schilderte Engdahl zum Beispiel, wie nur eine Hand voll global agierender Großkonzerne wie Monsanto, Cargill, Dow oder DuPont dabei ist, mittels genmanipulierten Saatguts wesentliche Teile der weltweiten Nahrungsmittelversorgung in ihre Hände zu bekommen. Diese Firmen haben exklusive Patente auf Saatgut, ohne das kein Bauer säen kann. Zudem lässt zum Beispiel das Terminator-Saatgut nur eine Fruchtfolge zu, danach sind die Samen als Saatgut nicht wieder zu verwenden. Das bedeutet: Das Saatgut muss jedes Jahr neu erworben werden.

Engdahl versuchte an mehreren Beispielen, die dunklen Seiten der Macht aufzuzeigen und zitierte Henry Kissinger, der in den 1970er-Jahren unter dem Eindruck der ersten Öl- und Lebensmittelkrise bereits sagte: „Wer das Öl kontrolliert, ist in der Lage, ganze Nationen zu kontrollieren; wer die Nahrung kontrolliert, kontrolliert die Menschen.“ Der amerikanische Autor zeigte die Verstrickungen auf und dokumentierte, dass die Rockefeller-Stiftung der treibende Motor hinter dieser unheilvollen Entwicklung ist. Zusammen mit privaten Forschungsinstituten und „in Mittäterschaft der US-Regierung“ versuche eine kleine, mächtige Elite, Gott zu spielen. Und das mit erschreckenden Folgen für die Menschheit, ist sich Engdahl sicher.

Beispiel Irak: Als US-Truppen 2003 im Irak einmarschierten, sagte George W. Bush: „Der Grund, weshalb wir im Irak stehen, ist, den Samen der Demokratie so auszusäen, dass er dort gedeiht und sich über die ganze Region autoritärer Regime ausbreitet.“ Nun spottete Engdahl in Erdmannhausen: „Nur wenige haben damals daran gedacht, dass er das Saatgut von Monsanto, den Weltmarktführer von genmanipuliertem Saatgut meinte.“ Tatsächlich jedoch bereitete Bushs Statthalter Paul Bremer den Boden für eine seltsame Saat vor. Er erließ 100 neue Gesetze, um so einen neuen freien Markt zu schaffen. Eines davon beinhaltete das Pflanzenartengesetz, mit dem den irakischen Bauern das genmanipulierte Saatgut aufgezwungen wurde. So waren zum Beispiel nur noch sechs Sorten Weizen erlaubt. Drei Sorten davon wurden von den Bauern eingesetzt, um Weizen für die Teigwarenproduktion zu erzeugen. Aber Nudeln sind laut Engdahl im Irak ein völlig fremdes Nahrungsmittel, also waren 50 Prozent der Produktion offensichtlich für den Export bestimmt, gleichzeitig hungern im einst fruchtbaren Zweistromland viele Tausend Menschen.

Beispiel Argentinien: Um die Schuldenkrise der 1980er-Jahre zu meistern, ordnete Bush-Freund Präsident Carlos Menem die radikale Privatisierung des Staatsbesitzes und die Liberalisierung der Wirtschaft an. Ausländische Großkonzerne kauften einen Großteil des Ackerlandes auf, vertrieben die Kleinbauern und säten genmanipuliertes Monsanto-Soja aus. Mit dem Erlös sollten die Schulden zurückbezahlt werden. Während in den 70er-Jahren Soja in Argentinien keine Rolle spielte, wird das Futtermittel heute auf 48 Prozent der Ackerfläche auf Monokulturen angebaut. Dünger und Herbizide sorgen dafür, dass voraussichtlich in 50 Jahren nichts mehr auf dem Boden wächst. Seit wenigen Jahren muss Milch aus Uruguay eingeführt werden, die Bevölkerung ist unterernährt, verarmt und vertrieben. Große Waldflächen werden für immer neue Soja-Anbaugebiete gerodet.

Die Tübinger Diplom-Biologin Heike Solweig-Bleuel betonte den Unterschied zwischen roter und grüner Gentechnik. Bei roter Gentechnik wird in einem abgeschlossenen System unter Laborbedingungen geforscht und die Ergebnisse beispielsweise für die Entwicklung neuer Medikamente genutzt. In ihren Augen sinnvoll. Bei der sogenannten grünen Gentechnik werden die manipulierten Samen ausgebracht, es gibt keine Chance, dies wieder rückgängig zu machen. Zudem haben die Anbieter ihre Versprechen nicht halten können. Die Pflanzen müssen weiterhin mit großen Mengen an Herbiziden und Insektiziden behandelt werden. Im Gegenteil: Der Aufwand an Spritzmitteln übersteigt nach vier oder fünf lukrativen Anfangsjahren sogar den der herkömmlichen Felder. Auf der anderen Seite gibt es auf Äckern mit genmanipuliertem Saatgut 40 Prozent weniger Wildpflanzen und Insekten.

Christian Reutter, der Kreisvorsitzende des Bauernverbandes Tübingen, sah es ähnlich: „Viel versprochen, wenig gehalten“, dieses Resümee ziehe sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Gentechnik. Für ihn war klar: „Technik und Wissenschaft muss uns dienen, aber nicht uns beherrschen.“ Als Landwirt stelle er sich immer die Frage, „wie sieht es aus mit dem Markt“. Und er erklärte für sich, „wir sind sehr nah dran am Verbraucher, wir können nichts produzieren, was die Leute nicht wollen“. Durch die Skandale der Vergangenheit ist Reutter vorsichtig geworden. Er listete die DDT- und Atrazin-Skandale auf und verwies auf den Ärger mit dem Nitrat im Grundwasser: „Nie war einer da, der uns in Schutz genommen hat. Jetzt verweigern wir uns erstmals einer Neuerung, und jetzt steht die Welt Kopf.“

Reutters Kollege Gebhard Aierstock, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Reutlingen, erklärte ebenso, sein Verband setze auf Qualität und ein Merkmal laute eben: „Wir bauen gentechnikfrei an.“ Schon bei der Begrüßung durch Erdmannhausens Bürgermeister Lutz Schwaigert gab es Beifall, als dieser sagte, alle Pachtverträge über gemeindeeigene Grundstücke enthielten eine Passage, wonach sich der Pächter verpflichtet, kein gentechnisch verändertes Saatgut auszubringen. Er bedankte sich bei der Initiative gegen Gentechnik, die die Veranstaltung auf die Beine gestellt hatte. Neben dem Kirchberger Robert Trautwein war dies auch der Unternehmer Karl Huober aus Erdmannhausen, der auch für die Moderation des Abends zuständig war. Neben den Referenten sprach ferner der Winterbacher Bürgermeister Albrecht Ulrich ein kurzes Grußwort. Der Winterbacher Gemeinderat hatte 2005 einstimmig die Kommune zur gentechnikfreien Gemeinde erklärt. Die 15 in der Gemeinde wirtschaftenden Landwirte schlossen sich der Erklärung an. Ulrich begründete diesen Schritt damit, dass die Ausweisung von Schutzzonen lächerlich sei, da die Abstände viel zu gering seien. Von der Gentechnik hält er nicht viel: „Viele Landwirte geraten in große Abhängigkeit und sind den Konzernen schutzlos ausgeliefert. Die Anbieter haben nur Profit und ihre Vormachtstellung im Sinn.“ Diese Botschaft wurde auch auf mehreren Transparenten in der Halle deutlich. So hieß es auf einem etwa: „Wer Gentechnik sät, wird Abhängigkeit ernten.“

Am Donnerstag, 29. Mai, 23.15 Uhr, wird im WDR die Dokumentation „Monsanto, mit Gift und Genen“ gezeigt.