Kurz vor der Maisaussaat hat die Umweltorganisation BUND ein Verbot des Anbaus von Gen-Mais gefordert.
"Gen-Mais birgt nachweislich Gefahren für die Umwelt", sagte der BUND-Gentechnikexperte Burkhard Roloff am Dienstag der dpa. In Mecklenburg-Vorpommern solle in diesem Jahr auf fast 1000 Hektar an 36 Standorten genveränderter Mais der Firma Monsanto angebaut werden. Der gegen den Schädling Maiszünsler widerstandsfähige Gen-Mais Mon 810 erzeugt laut Roloff das Insektengift Bt-Toxin. Dieses wirke nicht nur gegen die Raupen des Maiszünslers, sondern auch gegen die Raupen heimischer Schmetterlinge wie Tagpfauenauge oder Schwalbenschwanz.
Roloff sagte: "Wir fordern, den Anbau von Gen-Mais zu stoppen und den Anbau von Mon 810 wie in Frankreich, Polen, Ungarn oder Österreich zu verbieten." Die beim Anbau von Gen-Mais in Deutschland festgelegten Mindestabstände zu konventionellem Mais von 150 Metern und zu ökologisch angebautem Mais von 300 Metern sind nach Ansicht des BUND fachlich unsinnig. Die Bienen und der Mais-Pollen würden über viel größere Distanzen fliegen. Gen-Mais-Felder müssten zu Naturschutzgebieten mindestens 800 Meter Abstand haben, zu konventionell oder ökologisch angebautem Mais mindestens 1000 Meter.
Wie Roloff berichtete, hat Monsanto die Genehmigung zum Verkauf von Mon 810-Saatgut in Deutschland Ende 2007 nur unter der Bedingung erhalten, dass es einen Monitoringplan vorlegt, der die Umweltauswirkungen des Gen-Maises erfasst. Der vorgelegte Plan erfülle jedoch nicht die erforderlichen Kriterien. Die Aussaat sei deshalb rechtswidrig.
Das Umweltinstitut München erhob am Dienstag gegen die führende Pflanzen-Gentechnikerin Mecklenburg-Vorpommerns, Inge Broer, den Vorwurf des Lobbyismus. Die Professorin an der Universität Rostock sei auch Vorsitzende des Vereins zur Förderung der nachhaltigen Nutzung der Agrobiotechnologie Finab und Gesellschafterin von biovativ, dem kommerziellen Tochterunternehmen von Finab. Sie sei zudem in einem Gremium beim Bundesinstitut für Risikobewertung, das über die Genehmigung von Freilandversuchen entscheidet. Aufträge der Universität seien an biovativ vergeben worden. "Eine unabhängige und vertrauenswürdige Forschung im Bereich Agro-Gentechnik scheint in Mecklenburg-Vorpommern damit völlig ausgeschlossen", hieß es.
Broer wies diesen Vorwurf zurück. Mit der biovativ sollte die unabhängige Forschung ohne Großkonzerne erst ermöglicht werden. Diese Konstellation sei für die Landesregierung Basis für die Etablierung des Agrobiotechnikums in Groß Lüsewitz bei Rostock gewesen. "Diese Zusammenhänge sind stets in der Öffentlichkeit kommuniziert worden", sagte Broer der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Unabhängigkeit der Forschung werde gerade durch ihre Einbeziehung in EU-, Bundes- und Landesministerien dokumentiert, sagte Broer.
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