Schekker-Interview mit Horst Seehofer

Wie sicher sind unsere Lebensmittel? Sollte die Politik Gentechnik in der Landwirtschaft fördern? Und wo kann ich mich über die Produkte informieren, die ich konsumiere? Wir haben beim Verbraucherschutzminister nachgefragt.
Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer isst eine Möhre.

Guten Appetit!

Schekker: Guten Tag, Herr Seehofer! Was gab es heute Morgen bei Ihnen zum Frühstück?
Seehofer: Zum Frühstück gab es heute Morgen Vollkornbrötchen mit Marmelade, dazu habe ich einen Kaffee getrunken.

Schekker: Sind konventionelle Lebensmittel genauso gesund und sicher wie Bio-Lebensmittel?
Seehofer: Deutsche Produkte aus dem ökologischen Landbau sind ohne Zweifel gesund und hochwertig. Das bedeutet allerdings nicht, dass Lebensmittel aus der konventionellen Landwirtschaft für die Bevölkerung nachteilig sind. Bio bedeutet ja letzten Endes, den ganzen Naturkreislauf von der Erzeugung bis zum Verbraucher so umweltschonend wie möglich zu gestalten. Dennoch zeugen auch die konventionell produzierten Lebensmittel unserer Landwirtschaft von höchster Qualität und sind gesund.

Schekker: Was ist eigentlich mit den Preisen für Lebensmittel los? Warum ist im vergangenen Jahr so vieles teurer geworden?
Seehofer: Die weltweite Nachfrage nach Lebensmittelprodukten ist aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung und zunehmendem globalen Wohlstand massiv gestiegen und die Landwirtschaft bekommt zunehmend eine Multifunktion. Das bedeutet, dass der gleiche Grund und Boden mehrfach genutzt wird, also sowohl für Nahrungsmittelproduktion als auch für die Energieproduktion. Nachwachsende Rohstoffe gewinnen in der deutschen Landwirtschaft seit einigen Jahren an Bedeutung. Aktuell kommen außerdem die weltweiten Ernteeinbußen bei Getreide hinzu.

Schekker: Welche Lösungen kann die Politik hier anbieten? Glauben Sie beispielsweise, dass gentechnisch veränderte Nahrungspflanzen wie Mais und Soja Abhilfe schaffen könnten?
Seehofer: Zunächst einmal verfügt der Verbraucher selbst über eine sehr starke Macht, weil er viele Auswahlmöglichkeiten hat. Dies gilt vor allen Dingen im Lebensmittelbereich. Von Seiten der Politik, der Exekutive, gibt es das Kartellrecht. Das Bundeskartellamt, eine selbstständig agierende Bundesoberbehörde, prüft für die Regierung, ob Wettbewerbsregeln außer Kraft gesetzt werden. Zum Beispiel Preisabsprachen in der Wirtschaft gehören zu so einem Regelbruch. Ansonsten hat die Regierung keine durchgreifenden Möglichkeiten, denn Marktpreise werden in Deutschland nicht durch die Politik gemacht und das darf auch nicht so sein. Den Genttechnik-Anbau aus ökonomischen Gründen zu fördern, lehne ich ab. Die Grundsatzfrage, ob Gentechnik in der Landwirtschaft verantwortbar ist, sollte nicht mit wirtschaftlichen Argumenten beantwortet werden. Der Schutz von Mensch und Umwelt ist oberstes Gebot.

Schekker: Was empfehlen Sie gerade jungen Menschen, die sich aufgrund ihres schmalen Geldbeutels oftmals nur Discount-Ware leisten können? Wie können diese Verbraucher auch mit wenig Geld guten Gewissens einkaufen?
Seehofer: Vor allen Dingen empfehle ich jungen Leuten, auf Fast Food soweit es geht zu verzichten und wieder mehr selbst zu kochen und sich mit gesunder Ernährung auseinanderzusetzen. Das macht Spaß und schnell wird einem bewusst, dass eine gesunde Ernährung mit Brot, Obst und Gemüse - auch für die schnelle Mahlzeit zwischendurch - mindestens genauso gut schmeckt und überhaupt nicht teurer ist, wenn man einigermaßen preisbewusst einkauft. Eine gesunde, qualitäts- und preisbewusste Ernährung heißt natürlich nicht, dass man sich zwischendurch nicht auch mal einen Burger gönnen darf!

Schekker: Am 1. Mai wird nach langem Ringen das Verbraucherinformationsgesetz in Kraft treten. Welche Neuerung halten Sie für die Wichtigste?
Seehofer: Zum einen werden die Behörden stärker in die Pflicht genommen, die Verbraucher zum Beispiel über Rechtsverstöße, Gesundheitsgefahren oder den Verkauf von verdorbenem Gammelfleisch zu informieren. Wichtig ist aber zum anderen, dass der Verbraucher gegenüber den Behörden nun einen individuellen Informationsanspruch hat und eine bessere Zusammenarbeit von Lebensmittelüberwachung– und Strafverfolgungsbehörden ermöglicht und gefördert wird. Die Schaffung von Transparenz für die Verbraucher ist ein wesentlicher Aspekt des Verbraucherinformationsgesetzes.

Schekker: Bei welchen Produkten ist Ihnen persönlich Herkunft und Herstellung besonders wichtig?
Seehofer: In jüngster Vergangenheit haben sich Vorfälle gehäuft, in denen in China hergestelltes giftiges Spielzeug in deutschen Kinderstuben gelandet ist. Hier ist natürlich Vorsicht geboten. Was Nahrungsmittel angeht, habe ich großes Vertrauen in die europäische Landwirtschaft und deren Produkte. Unsere Lebensmittel sind so sicher wie nie zuvor.

Schekker: Wir danken herzlich für das Interview!

gefunden bei: Schecker, das Jugenmagazin

Ein Kommentar

  1. Seehofer: Zunächst einmal verfügt der Verbraucher selbst über eine sehr starke Macht, weil er viele Auswahlmöglichkeiten hat. Dies gilt vor allen Dingen im Lebensmittelbereich…..
    die macht des konsumenten wird leider immer mehr zur farce. was nicht angeboten wird, kann man/frau nicht kaufen und das konkrete angebot gestaltet weder politik noch konsumentIn. und “böse konzerne boykottieren” funktioniert auch nicht mehr soooo gut, weil 1. die meisten ihre schattenseite haben und 2. ja kaum mehr herauszufinden ist, welcher konzern hinter welchem produkt steckt. gerade im lebensmittelbereich!
    lg
    eli

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