Eine Ackerfläche von 5000 Quadratmetern erhitzt die Gemüter in Südniedersachsen: 15 Jahre nach ihren ersten Freilandversuchen mit gentechnisch veränderten Zuckerrüben will das Saatzuchtunternehmen KWS SAAT AG erneut Gentechnikversuche im Freiland betreiben.
Diesmal will das Einbecker Unternehmen auf vier Standorten in Norddeutschland gentechnisch veränderte Zuckerrüben testen, die gegen das Unkrautvernichtungsmittel Roundup der Firma Monsanto tolerant sind. Die größte Versuchsfläche befindet sich in Wetze bei Northeim. Am Donnerstag stellte das Unternehmen bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung seine Planungen vor. Die Debatte zeigte, dass das Projekt in der Region heftig umstritten ist.
Das Freisetzungsvorhaben der KWS spaltet auch die Kommunen: Der Rat der Stadt Northeim hat sich in einer Resolution gegen die Gentechnikversuche ausgesprochen. Der Rat der Stadt Einbeck, dem Firmensitz der KWS, unterstützt dagegen das Projekt. Inzwischen hat sich eine „Bürgerinitiative für ein gentechnikfreies Südniedersachsen“ gebildet, die gegen die Freilandversuche mobil macht. In dieser Initiative seien mittlerweile rund 70 Bürger engagiert, darunter Landwirte, Direktvermarkter, Imker und Wissenschaftler, sagte der BI-Sprecher und Vorsitzende der Grünen Ratsfraktion in Northeim, Torsten Seidel.
Wie sehr das Projekt die Bürger bewegt, zeigte sich bei der Informationsveranstaltung im Saal des Dorfgasthauses im Northeimer Ortsteil Stöckheim nahe des Freisetzungsstandortes. KWS-Vorstandssprecher Philipp von dem Bussche erläuterte die Gründe, warum auf Gentechnik in der Landwirtschaft nicht verzichtet werden könne: Die Weltbevölkerung wachse und damit der Bedarf an Nahrungsmitteln. Da die Ackerflächen begrenzt seien, müssten besonders ertragsstarke Sorten angebaut werden. Dazu gehöre die gentechnisch veränderte Zuckerrübensorte H7-1.
KWS hat diese Sorte gemeinsam mit dem Agrarkonzern Monsanto entwickelt. Die gentechnische Veränderung besteht darin, dass die Zuckerrübe gegenüber dem Wirkstoff Glyphosat tolerant ist und anders als andere Pflanzen bei einer Behandlung mit dem Totalherbizid Roundup nicht abstirbt.
KWS-Vorstandssprecher von dem Bussche betonte, dass es sich um ein Forschungsprojekt handele. Einen kommerziellen Anbau in der EU könne es frühestens 2015 geben. Für die Landwirte hätten die gentechnisch veränderten Rüben den Vorteil, dass sie weniger Herbizide anwenden müssten und damit geringere Kosten und stabilisierte Erträge hätten. Umwelt- oder Gesundheitsrisiken sieht er nicht: „Wir halten die Versuche für verantwortbar.“
Dies sahen zahlreiche Besucher der Veranstaltung anders. Die Kritik entzündet sich zum einen daran, dass auch Unkräuter nach einiger Zeit gegen Roundup resistent werden könnten. Außerdem bestehe das Risiko, dass es durch Pollen zu Auskreuzungen und damit einer unkontrollierten Verbreitung in der Umwelt komme.





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