Wo bleibt die Ethik?
Udomar Rall, Nürtingen. Zum Artikel Gefühlte Risiken der Gentechnik managen vom 9. Januar. Vor einigen Monaten erschienen in den großen Magazinen ganzseitige Anzeigen des Bundesministers für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Sie sollten demonstrieren, dass der Minister Maßnahmen gegen die immer stärker auftretenden Allergiekrankheiten ergreifen will. Pure Public Relations. Im Hintergrund machen er und andere Politiker genau das Gegenteil. Zum Beispiel mit der grünen Gentechnik. Man muss doch kein Wissenschaftler sein, um sich an fünf Fingern auszurechnen, was passiert, wenn genmanipulierte Pflanzen sich ausbreiten, die den Einsatz massiver Pestizide zulassen. Letzteren kann niemand wünschen, der ein gesundes Verhältnis zur Natur hat. Aber einem Konzern, der Massenvernichtungsmittel zur Auslöschung ganzer Landstriche herstellt, ist das völlig egal. Des Weiteren bezweifle ich, dass jemals gründlich untersucht wurde, welch negative Rolle die Früchte dieser Pflanzen und ihre Rückstände in der Nahrungskette spielen könnten. Das kann nämlich gar nicht möglich sein, weil die Zeitspanne für eine aussagefähige Untersuchung viel zu kurz ist.
Die Genmanipulation ist auf Resistenz, Ertrag und Optik der Produkte ausgerichtet, neben der Absicht, eine völlige Abhängigkeit der Landwirte vom Saatgut- und Chemikalienlieferanten zu schaffen. Verträglichkeit für Tier und Mensch ist uninteressant. Selbst der Geschmack wird zur Nebensache. Wenn es nichts anderes mehr gibt, weil die Vielfalt der Sorten verschwunden ist, hat sich das Thema sowieso erledigt. Wenn die Verträglichkeit der genveränderten Pflanzen die Gesundheit der Tiere beeinträchtigt, was zu erwarten ist, steigt der Einsatz von Tierarzneimitteln. Das wiederum wird den Menschen beim Verzehr tierischer Produkte zur Last fallen. Beim Menschen wird außerdem die Verschlechterung der Qualität pflanzlicher Produkte hinsichtlich ihrer Verträglichkeit, verbunden mit der Verseuchung der Umgebung durch den Einsatz von Giften und Düngemitteln (Grundwasserbelastung, Luftverschmutzung und so weiter) insgesamt einen heftigen Schub von Allergiekrankheiten verursachen.
Bis jetzt sind nicht einmal die Probleme durch veränderte Verträglichkeiten aus der konventionellen Züchtung gelöst. Woher kommen denn zum Beispiel die Allergien, die ganzen Reizdarmfälle und ähnliche Beschwerden? Kein Arzt oder Wissenschaftler kann diese Frage bisher beantworten, aber viele Menschen sind davon betroffen. Wieder einmal macht die CDU eine schlechte Figur bei wichtigen ökologischen Themen, weil sie vor allem lobby- und wirtschaftspolitisch orientiert ist. Beim Tierschutz bremst sie, damit einflussreiche Tiernutzerkreise ihre Quälereien weiterbetreiben können. Wo bleibt die Ethik? Warum wählen die Bürger eine Partei, der so wenig an der Erhaltung gesunder Lebensgrundlagen liegt? Ist der (vermeintliche) Profit so wichtig, dass wir die Zukunft unserer Kinder und Enkel in Frage stellen?Sand in die Augen gestreut
Manuel Werner, Nürtingen. Zum Artikel Gefühlte Risiken der Gentechnik managen vom 9. Januar. Und wieder gibt es Oberwasser auf die Ländle-Mühlen von Professor Schier und den Pionieren von Monsanto, diesmal geliefert von der CDU. Und schon versteigt Professor Schier sich zu abstrusen Phantastereien wie Genveränderter Joghurt gegen Darmkrebs, den es freilich nicht gibt, wäre sicherlich ein Verkaufsschlager. Die Einschränkung seh ich wohl, alleine: Es ist gesagt und schwarz auf weiß nachzulesen, das vermeintliche Allheilmittel gegen Krebs, das die allein seligmachende Gentechnik in Zukunft bringen könne. Das erinnert mich an US-amerikanische Filme aus der Duck-and-Cover-Zeit, in der radioaktiv verstrahlte Männer phantastische Sonderfähigkeiten erwerben.
Doch es war bar der Realität und nach Art psychologischer Kriegsführung Sand in die Augen gestreut und unsägliche Manipulation. Auch Professor Schiers Anti-Krebs-Gentechnik-Joghurt geht in diese Richtung und ist leider nicht bloßes privates Wolkenkuckucksheim eines naiven Monsanto-Verblendeten. Diese vermeintlich leckere Joghurt-Mischung-Wohltat der Zukunft ist eine maßlose Erhöhung der Zauberlehrlinge von Monsanto & Co., deren Geister-Saat man nie wieder los wird, ist sie erst einmal entfesselt. Percy Schmeiser hingegen vermittelt die bittere Realität. Und dennoch lässt sich die Landes-CDU und -FDP Sand aus der Büchse der Pandora in die Augen streuen. Wann endlich wacht der Nürtinger Gemeinderat auf und knüpft die Pacht der Hochschule daran, dass keine sogenannte Freisetzung transgen zusammengemixter Organismen mehr stattfindet, die nie in die Freiheit und in die freie Natur gehören und auch seit Jahrmillionen nie dort waren. Wann geht unser Landkreis den Weg der gentechnikfreien Zone? Der erste wäre er hierbei nicht. Wann geht Deutschland den guten gentechnikfreien Weg anderer EU-Staaten? Denn Monsanto sagt zwar No food shall be grown that we dont own! und handelt knallhart danach in Kanada, bei Percy Schmeiser, auch im Irak, auch in Indien, auch in Oberboihingen. Diesen Monsanto-Slogan zu verwirklichen wäre allerdings eine Katastrophe: Es gäbe keine durch normale Auslese und Zucht erzeugten Nahrungspflanzen-Vielfalt mehr, nur noch die teuren Chimären von Monsanto im Doppelpack mit Spritzgift, die Professor Schier freisetzt und die auch nach Unterpflügen in Oberboihingen im nächsten Jahr durchwachsen und vorher durch ihren gentechnisch veränderten Pollen kontaminierten was erklärte Absicht von Monsanto ist.
Ich will aber, dass man weiterhin die bewährten Züchtungen, die an verschiedenste Standorte aufs Beste angepasst sind, essen kann und deren Saatgut auch selber durch Sammeln gewinnen und aussäen kann. Professor Schier und Monsanto setzen sich für das Gegenteil ein. Es gibt ein schlimmes Erwachen…
Zwang durch den Staat?
Franziska Schwarzer, Wendlingen. Zu den Artikeln Die Gentechnik als Büchse der Pandora und Gefühlte Risiken der Gentechnik managen vom 9. Januar. Selten habe ich eine Zeitungsseite mit zwei so interessanten Berichten zur Gentechnik gelesen. In dem oberen Bericht über den Vortrag des kanadischen Bauern und alternativen Nobelpreisträgers wird durch Dokumente bewiesen, dass der Wirtschaftskonzern Monsanto zu sonst nur bei Sekten üblichen Praktiken der Knebelung durch Schweigegebot und Pflicht zur Offenlegung der privaten Steuerunterlagen gegriffen hat, um seinen Kundenstamm bei der Stange zu halten; Verträge, die bei uns nichtig wären, weil sie gegen die guten Sitten verstoßen. Sind solche Verträge über das finanzielle Zuckerbrot hinaus vielleicht auch der Grund, dass eine deutsche Hochschule ihren guten Ruf aufs Spiel setzt und sich den Hass der Bürger zuzieht?
Wollte Monsanto den unwilligen Bauern durch Präsentierung einer saftigen Rechnung für die unlizensierte Nutzung eines nicht bestellten noch willentlich angewandten Monsanto-Produkts zwingen, den Gegenbeweis zu führen, dass auf den Nachbargrundstücken gar nichts rübergekommen ist? Oder wollte der Konzern den unwilligen Käufer nur in den Schwitzkasten nehmen? Die Rechnungsstellung kann als Beweis und Eingeständnis angesehen werden, dass der offenbar nicht verhinderbare Eintrag in das genetische Programm der Pflanzen der Nachbarschaft Monsanto bekannt und sogar beabsichtigt ist.
Wollte man den Boden vor ungewollter Ausbreitung von Gen-Pflanzen schützen, müsste man die Freisetzungsversuche aus dem landwirtschaftlich genutzten Gebiet herausnehmen. Wollte man uns Bürgern unser Recht auf freie Wahl der Nahrungsmittel erhalten, würde man die Kennzeichnungspflicht einführen. Gibt es eine Koexistenz zwischen einem Hund und einem Sack Flöhe? Davon ist offenbar der Arbeitskreis der CDU-Landtagsfraktion überzeugt, wie aus dem darunter stehenden Bericht zu entnehmen ist.
Wenn den Staatssekretären und dem Landwirtschaftsminister die Koexistenz von konventioneller Landwirtschaft und Landwirtschaft mit gentechnisch veränderten Pflanzen am Herzen liegt, haben Öko-Bauern keine Hoffnung mehr auf Schutz und wir Bürger werden von Staats wegen gezwungen, das Gen-Food zu konsumieren.
Hochschule soll Wort halten
Jochen Findeisen, Schlaitdorf. Zum Artikel Gentechnologie von beiden Seiten beleuchten vom 12. Januar. Mehr Offenheit verspricht Hochschul-Rektor Professor Ziegler in seinem Interview. Hiervon war bislang wenig festzustellen. Die gleichfalls versprochene Information der Öffentlichkeit hat bislang kaum stattgefunden. Damit dürfte die Hochschule auch ein Problem haben, denn außer Professor Schier ist wohl kaum jemand bereit, derartige Informationen zu erteilen.
Es ist ein offenes Geheimnis: Viele Lehrer an der Hochschule lehnen die Genmais-Versuche ihres Kollegen Schier ab, weil sie die grüne Gentechnik für unbeherrschbar und unnütz für Landwirte und Verbraucher halten. Andere sehen den unbestreitbaren Imageschaden für die Hochschule. Das Beharren auf der Freiheit von Forschung und Lehre wirkt eher hilflos und stur als attraktiv für junge Studenten, Dozenten und Verteiler von Fördermitteln und Forschungsaufträgen. Der Hinweis auf Freiheit von Forschung und Lehre dürfte hier auch irreführend sein.
Der akademische Forscher Schier hat kein eigenes Forschungskonzept entwickelt, das er nun Schritt für Schritt umsetzt. Professor Schier führt einen Auftrag für den Agro-Multi Monsanto aus. Letztendlich geht es eher um die Freiheit, von Monsanto gentechnisch veränderte Maispollen zu verbreiten. Der um Offenheit bemühte Professor Ziegler sollte deshalb alsbald darlegen, ob die Hochschule oder Professor Schier Vertragspartner von Monsanto ist. Die Öffentlichkeit hat auch großes Interesse daran, Art und Umfang des Auftrages von Professor Schier zu erfahren. Und schließlich was bringt dieser Auftrag an Honoraren ein und wie werden diese verteilt? Die Aussagen zum Thema Folgenforschung des Herrn Professor Ziegler sind so nicht zutreffend. Die Flächen in Tachenhausen sind hierfür geeigneter als es Monsanto und seinen Auftragnehmern an der Hochschule lieb ist. So musste die Landesregierung 2007 dem MdL Dr. Murschel (Grüne) gegenüber eingestehen, dass gentechnisch veränderter Mais auch im Folgejahr wieder keimfähig ist, obwohl er im Vorjahr untergepflügt wurde (Durch-wuchs). Auch ob es zu Auskreuzungen gekommen ist, könnte schon jetzt überprüft werden.Großes Interesse
Ursula Scheibe, Beuren, Nürtinger Bündnis für gentechnikfreie Landwirtschaft und Lebensmittel. Zu den Artikeln Gefühlte Risiken der Gentechnik managen und Die Gentechnik als Büchse der Pandora vom 9. Januar. Das Nürtinger Bündnis für gentechnikfreie Landwirtschaft und Lebensmittel zeigt sich sehr zufrieden, dass der Widerstand gegen die grüne Gentechnik bei der Bevölkerung so großes Interesse hervorruft.
Bei dem Vortrag des Gentechnikgegners Percy Schmeiser (Träger des Alternativen Nobelpreises) vergangenen Montag in Nürtingen platzte der Vortragssaal aus allen Nähten, sodass noch eine Live-Übertragung in einen Nebenraum eingerichtet werden musste. Die Zuhörerzahl wurde auf fast 300 geschätzt.
Die Reaktionen reichten von empört bis schockiert. Bei der anschließenden Spendensammlung, mit der die Klage des Biolandhofes Klauss gegen den Anbau von gentechnisch veränderten Maissorten durch die HfWU Nürtingen unterstützt wird, kamen mehr als 700 Euro zusammen. Dies zeigt ganz deutlich, wie sehr die Bevölkerung die grüne Gentechnik ablehnt. Vielen Dank an alle Spender.
Der Artikel über ein Treffen der CDU-Landtagsfraktion zeigt genauso deutlich, was die CDU von dem Willen der Bevölkerung hält gar nichts. Der Widerstand der Bevölkerung soll ausgehebelt werden, das ist also die Aufgabe unserer Volksvertreter. Statt sich bei einer Kapazität wie Herrn Schmeiser zu informieren, findet die Meinungsbildung bei Professor Schier statt, der, wie könnte es anders sein, als Vasall des US-Multis Monsanto natürlich deren Interessen vertritt. Gerade über die Geschäftspraktiken Monsantos hätte man bei dem Vortrag von Herrn Schmeiser vieles erfahren können, Heuschrecke ist da noch ein milder Ausdruck.
Es bleibt zu hoffen, dass sich bei den nächsten Wahlen die 80 Prozent der Bevölkerung, die keine Gentechnik in der Nahrung wollen, daran erinnern, wer die Interessen des Volkes vertritt und wem das Kassemachen von Monsanto wichtiger ist, wie CDU und FDP.
Die Falschen sind angeklagt
Peter Schönhaar, Unterensingen. Zum Artikel Das war ein angekündigter Tabubruch vom 8. Januar. Was müssen wir als Bürger eigentlich noch tun, um Politiker, Wissenschaftler, Industriebosse und andere Verantwortliche endlich zu verantwortungsvollem Handeln zu bewegen?
Nach meiner Meinung hätten an Stelle von Achim Schultheiß Angehörige folgender Berufsgruppen auf der Anklagebank sitzen müssen: Die für die Gentechnik-Konzerne arbeitenden verantwortungslosen Wissenschaftler in der freien Wirtschaft und an den Hochschulen, die auf Grund von völlig unzureichendem Grundlagenwissen gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere haben wir diese nicht bisher als Gottes Schöpfung betrachtet? entwickeln, die dadurch zu Industrieprodukten degradiert werden, gefährlich sind, nicht so funktionieren, wie sie es versprechen und sich völlig unkontrolliert in der Welt verbreiten. Auf die Anklagebank sollten auch die Industriekonzerne, die mit Hilfe dieser Produkte ihre Macht über uns ausweiten wollen und dabei auch Mafia-Methoden anwenden und dann die Politiker, die mit aller Gewalt und gegen unseren Willen diese Bestrebungen auf hinterlistige Weise unterstützen, indem sie Gesetze verabschieden, die uns nicht schützen, sondern uns zu Versuchskaninchen von Freisetzungsversuchen machen, indem sie Lügen verbreiten wie Koexistenz ist möglich oder Die Gentechnik sichert die Ernährung der Menschheit.
Wer am gleichen Tag abends den Vortrag des Trägers des alternativen Nobelpreises 2007, Percy Schmeiser, besuchte, konnte sich aus erster Hand darüber informieren, was in Ländern wie den USA und Kanada passiert, wenn diese Herrschaften ungestraft weitermachen dürfen. Mich wundert es nicht, wenn Menschen im Angesicht dieser Bedrohung des Lebens auf der Erde als letztes Mittel zu Methoden wie Feldbefreiungen greifen.
Risikoforschung
Gerhard Härer, Aichtal. Zum Artikel Gentechnologie von beiden Seiten beleuchten vom 12. Januar. Folgen- und Risikoforschung tut schon lange not. Es ist wie bei der Atomtechnik: wenn man diese sehen, riechen oder hören würde, würden viel mehr Menschen Ökostrom beziehen und womöglich auf die Straße gehen. Gentechnik kann auch nicht wahrgenommen werden, denn sonst würden mehr Menschen in den Bioladen gehen. Aber das ist ja gerade das Gefährliche an solchen Technologien. Erst wenn etwas nachweislich passiert ist, wehren sich die Menschen. Dann ist es aber zu spät. Warum gibt es in der Forschung nicht auch einen TÜV? Ein Auto darf nicht gefahren werden, wenn Mängel festgestellt werden. Dies ist auch richtig so. Die grüne Gentechnik darf freigesetzt werden, ohne dass wir wissen, was langfristig passieren wird mit unserer Umwelt. Deshalb ist die von Professor Dr. Ziegler, dem Chef der Hochschule Nürtingen, angesprochene Folgen- und Risikoforschung dringend und endlich geboten. Eigentlich ist es unglaublich, dass dies in Deutschland nicht schon seit Jahren zu diesem Thema betrieben wird. Was uns da die meisten Politiker, vor allem die CDU und FDP, zumuten, ist eine Frechheit. Wahrscheinlich wird es pro forma nun bald in Nürtingen oder anderswo die Risikoforschung geben. Das Geld für eine unabhängige Forschung kommt dann sicherlich nur zu einem kleinen Teil von Steuergeldern, der Rest wird irgendwo aufgetrieben werden müssen, um überhaupt arbeiten zu können. Dann aber Vorsicht! Allzu oft gibt es Geldgeber, die das Ergebnis der Forschungen in Deutschland (und weltweit) für ihre Zwecke beeinflussen. Ich wünsche Professor Dr. Werner Ziegler den Mut, dass er die Folgen- und Risikoforschung an seiner Hochschule einführt. Aber bitte bald.
Wir müssen uns wehren
Irmgard Bürck, Wolfschlugen. Zu den Artikeln Gefühlte Risiken der Gentechnik managen und Die Gentechnik als Büchse der Pandora vom 9. Januar. Gut, dass so viele Reaktionen auf die genannten Vorträge kommen. Ich bin mir sicher, dass die Leserbriefe für eine überwältigende Mehrheit in der Bevölkerung stehen, die die grüne Gentechnik ablehnt. Und das mit guten Gründen: soweit ich verstanden habe, ist ein Übergreifen auf normal und biologisch bewirtschaftete Flächen nicht zu verhindern und nicht rückholbar. Monsanto will die Welternährung in den Griff nehmen, indem die Firma Saatgut verkauft, von dem es in der nächsten Generation kein fruchtbares Saatgut mehr gibt. So macht sie alle Landwirte davon abhängig. Außerdem lässt sie Pflanzen Lebewesen! patentieren, wozu meiner Ansicht nach kein Mensch ein Recht hat.
Wie kann sich die Bevölkerung gegen diese Praktiken wehren? Wir sind Verbraucher, deren Kaufverhalten einen Einfluss darauf hat, was angeboten wird. Deshalb sollten wir erstens Lebensmittel kaufen, auf denen ausdrücklich steht, dass sie ohne Gentechnik erzeugt worden sind. Zweitens unsere Politiker dazu drängen, dass sie sich für eine Kennzeichnungspflicht einsetzen. Da das nicht so schnell gehen wird, deshalb drittens Erzeuger und Anbieter dazu auffordern, ihre ohne Gentechnik produzierten Waren freiwillig (aber auch im eigenen Interesse) als solche zu kennzeichnen. So werden hoffentlich die Anbieter von Gen-Food merken, dass sie bei uns nicht reich werden, und diesen Unfug einstellen.
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Kurzinterview - Alternativer Nobelpreisträger zu Gast in Nürtingen
Über 400 Menschen waren der Einladung, des Genbündnisses Nürtingen in die Seegrasspinnerei gefolgt, um den Ausführungen von Percy Schmeiser, Träger des alternativen Nobelpreises 2007, zuzuhören. Der 77jährige, kanadische Landwirt ist, durch seinen Widerstand gegen den US-amerikanischen Saatgutkonzern Monsanto, bekannt geworden. Schmeiser, der bereits im Jahr 2000 den Mahatma Gandhi Preis erhalten hatte. Er war 25 Jahre Bürgermeister seiner Gemeinde und saß auch im kanadischen Landesparlament. Ebenso war er Mitglied jedes Landwirtschaftskomitees, das man sich vorstellen kann, sowohl auf Bundes- als auch Provinzebene. Schmeiser: „Ich habe immer für die Rechte und Privilegien der Farmer und für Richtlinien und Gesetze gekämpft, die für sie von Nutzen sein würden.“Am Rande der Nüringer Veranstaltung konnte Thomas Mitsch mit Percy Schmeiser ein Kurzinterview führen.
T.M.: Vielen Dank Percy, dass Sie nach Nürtingen gekommen sind. Wie sagte Henry Kissinger in den 70ern: “Wer das Öl kontrolliert, ist in der Lage, ganze Nationen zu kontrollieren, wer die Nahrung kontrolliert, kontrolliert die Menschen”.Glauben Sie, das der US-amerikanischen Saatgutkonzern Monsanto die Weltherrschaft über alle Lebensmittel erlangen will?
P.S.: Ja, ich glaube fest daran, denn die Entwicklungen und dass was ich in den letzten vier Jahren auf der ganzen Welt gesehen habe deuten darauf hin. Es geht hier nicht um landwirtschaftliche Aspekte sondern alleine um Rentabilität und Rendite.
T.M.: Was denken Sie über die dehnbare Auslegung des Patentrechtes?
P.S.: Wie ich es in meinem Vortrag erwähnte, versucht Monsanto, durch Lobbyarbeit und viel Geld, die Regierung und die Farmer durch Druck, zu beeinflussen. Zudem kommt,. dass viele Professorenstellen an den Universitäten von privaten Unternehmen bezahlt werden. Dadurch schwindet die Aufklärung. Die Saatgutunternehmen versuchen durch immer mehr juristische Kniffe, das Patentrecht durch die Hintertür zu umgehen.
T.M.: Wie sieht die landwirtschaftliche Entwicklung in der Zukunft aus?
P.S.: Nun, die Landwirtschaft wird immer industrieller und kommerzieller. Es wird immer mehr Großbetriebe geben, die herkömmlichen Kleinbetriebe werden immer öfters schließen und schließlich ganz verschwinden. Die Bauern verlassen ihr Land., es wird keine natürliche Landwirtschaft mehr geben. Durch die Kontaminierung ist z.B. kein Bio Raps und Bio Soja Anbau in Kanada mehr möglich.
T.M.: Die neue Partei Die Linke. in Deutschland spricht sich ebenfalls gegen genmanipulierte Pflanzen und Lebensmittel aus. Können Sie und einige Ideen geben was das Deutsche Parlament in Gesetze umsetzen sollte?
P.S.: Erstens, sollte den Landwirten das Recht zugestanden werden eigene Nachzucht von Samen zu betreiben und zweitens sollte der Verursacher von Schäden in diesem Fall die Saatgutunternehmen schadensersatzpflichtig sein.
T.M.: Glauben Sie, dass durch die Verleihung des Alternativen Nobelpreises, für ihren Mut bei der Verteidigung der Artenvielfalt und der Rechte der Bauern und dafür, dass Sie dieökologisch und moralisch verwerfliche Auslegung des Patentrechts in Bezug auf Saatgut ändern wollen, mehr öffentliches Interesse geweckt wurde?
P.S.: Ja, ich denke schon, denn ich werde immer öfters weltweit als Referent eingeladen und ich glaube, dass das Thema Gentechnik vielleicht auch dadurch immer mehr in den Fokus der Menschen rückt.
T.M.: Ist es richtig, dass nach dem Sturz von Saddam Hussein das Saatgut des Iraks vernichtet wurde und der Irak verpflichtet wurde zukünftig das Saatgut von amerikanischen Firmen zu kaufen?
P.S.: Richtig, das Saatgut musste vernichtet werden. Allerdings wurden, vor dem Fall Saddam`s, irakische Saatgüter nach Syrien ausgelagert. Jetzt ist der Irak verpflichtet ausländisches Saatgut zu kaufen. Eine Schande, wenn man bedenkt, dass der Irak und der Iran eigentlich die Länder sind woher unseres eigenes Saatgut ursprünglich herkam.
T.M.: Was sind Ihre nächsten Schritte im Kampf um gentechnikfreie Landwirtschaft?
P.S.: Nachdem eine von der Regierung eingesetzte Kommission selbiger empfahl, dass die Landwirte ein Nachbaurecht bekommen sollten und das Patentrecht auf höhere Lebens-formen nicht anwendbar sei, werde ich nach meiner Rückkehr nach Kanada den Großkonzern Monsanto verklagen.
T.M.: Vielen Dank für das Gespräch und eine gute Heimreise.Das Interview wurde am 07.01.2008, von Thomas Mitsch geführt.
Alternativer Nobelpreisträger zu Gast in Nürtingen Thomas Mitsch 07.01.2008
Über 400 Menschen waren der Einladung, des Genbündnisses Nürtingen in die Seegrasspinnerei gefolgt, um den Ausführungen von Percy Schmeiser, Träger des alternativen Nobelpreises 2007, zuzuhören. Der 77jährige, kanadische Landwirt ist, durch seinen Widerstand gegen den US-amerikanischen Saatgutkonzern Monsanto, bekannt geworden. Schmeiser, der bereits im Jahr 2000 den Mahatma Ghandi Preis erhalten hatte, 25 Jahre Bürgermeister seiner Gemeinde war und im kanadischen Landesparlament saß, berichtete über den Kampf gegen Monsanto. Im Jahr 1946 hatte Schmeiser seine Farm vom Vater übernommen und mit seiner Frau regional, angepasstes Raps entwickelt. „ Er wolle erzählen was passiert ist und nicht sagen was wir tun sollen“, so Schmeiser. 1996 erlaubten die amerikanische und die kanadische Regierungen den Anbau von vier genveränderten Pflanzen: Mais, Baumwolle, Soja und Raps. Schon 1998 wurden sie von Monsanto wegen Patentverletzung und illegalem Anbau verklagt. Kleine Teile seines Farmlandes waren kontaminiert. Für Schmeiser standen 50 Jahre Zucht auf dem Spiel. Monsanto wollte dagegen eine Lizenz, eine Strafzahlung sowie alle Pflanzen und das Saatgut des Farmers. Eines war klar, Familie Schmeiser war zum Testfall für Monsanto geworden, um zu sehen wie weit sie, als Firma, gehen konnten. Das Patentrecht in Kanada fällt in die Zuständigkeit auf Bundesebene und die Richter entschieden alles Saatgut und die Pflanzen gehören Monsanto. Schmeiser, der nie genverändertes Saatgut verwendete, kämpfte sieben Jahre bis zum obersten Gerichtshof. Schmeiser`s Argument ist, das kein Individuum und keine Firma das Recht hat eine höhere Lebensart zu patentieren. Vielmehr ist es eine ethische und moralische Frage, die kein Mensch entscheiden darf. Die Firma Monsanto dagegen argumentierte, egal in welcher Lebensform sich veränderte Gene befinden, gehören sie Monsanto. Das Gericht gab diesem statt. Durch dieses Urteil wurde der Fall weltbekannt. Aufgrund des massiven Widerstandes der Bevölkerung hat das kanadische Parlament eine Kommission gebildet, die in ihrem Bericht an die Regierung folgendes vorschlug. Die Landwirte bekommen ein Nachbaurecht und das Patentrecht ist auf höhere Lebensformen nicht anwendbar. Percy Schmeiser ber-ichtete auch über die Methoden des Konzern um seine Familie unter Druck zu setzen. Dies ging von Versuchen von Monsanto Grundschulden auf Maschinen, Haus und Land einzu-tragen, über Drohanrufen und tätliche Angriffe von Monsantomitarbeitern, bis hin zur ständigen Beobachtung des Lebens auf der Farm. Auf die Frage warum überhaupt kanadische Bauern mit dem Anbau von genveränderten Saatgut anfingen, antwortete Schmeiser: „ Ihnen wurde genau das gleiche gesagt, wie jetzt den Bauern in Europa.“ Die Standardargumente sind höherer Nährwert, mehr Profit und weniger Pestizide. Die Wirklichkeit sah allerdings anders aus. Zwar entwickelte sich in den ersten zwei Jahren ein Superraps, doch danach sank der Nährwert und Ertrag. Die Folge ist ein dreimal so hoher Pestizideinsatz, wie vor dem genverändertem Anbau. Zudem habe Monsanto ein Terminatorgen entwickelt, dass den Samen der Pflanze steril werden lässt. Monsanto`s Plan ist, dass ein Farmer sein jährliches Saatgut bei ihrer Firma kauft und natürlich auch die dazugehörenden Pestizide. Schmeiser verwies auf die Problematik, z.B. in Indien, wo sich in den letzten zehn Jahren über 100Tsd. Bauern das Leben genommen haben, da sie sich das teure Saatgut nicht mehr leisten können. In Kanada ist es inzwischen soweit, dass kein Bio Raps oder Soja mehr angebaut werden kann. Schmeiser`s Schlussfolgerung: es gibt keine Koexistenz zwischen gentechnikfreien und genveränderten Pflanzen, da das gentechnische Gen dominant ist und eine gentechnische Pflanze nicht eingrenzbar ist. Laut Schmeiser gibt es ein EU-Land, wo jeglicher Anbau von gentechnischen Pflanzen sowie deren Import und Transit verboten ist. Man höre und staune – es ist Griechenland. Nach seiner Rückkehr aus Europa wird Percy Schmeisser, auf Grund der oben genannten Empfehlungen der Kommission, seinerseits die Firma Monsanto verklagen. Wie sagte Henry Kissinger in den 70ern: “Wer das Öl kontrolliert, ist in der Lage, ganze Nationen zu kontrollieren, wer die Nahrung kontrolliert, kontrolliert die Menschen”.
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