Archiv nach Monaten: November 2007

Berlin (ddp). Wer gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen will, soll seine Nachbarn spätestens drei Monate vor der Aussaat oder Anpflanzung über das Vorhaben informieren und seinen Anbau an benachbarte Nutzungen anpassen. Das sieht ein Verordnungsentwurf der Bundesregierung vor, dem der Bundesrat am Freitag unter der Bedingung mehrerer Änderungen zustimmte.
So sollen die Nachbarn nach dem Willen der Länderkammer unter anderem innerhalb eines Monats antworten, welche Anbauvorhaben sie für die benachbarten Flächen planen. Andernfalls soll der Erzeuger gentechnisch veränderter Pflanzen davon ausgehen können, dass auf den Nachbarflächen keine Pflanzen derselben Art angebaut werden.
Festgeschrieben werden soll der Regierungsvorlage zufolge zudem, dass der Mindestabstand zwischen der Anbaufläche mit gentechnisch veränderten Pflanzen zu benachbarten Flächen mit konventionellem Anbau 150 Meter betragen muss und zu Nachbarflächen mit ökologischem Anbau 300 Meter.
(ddp)

gefunden bei: PR-Inside

Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) hat einen vorläufigen Stopp der EU-Genehmigungsverfahren für gentechnisch veränderte Pflanzen gefordert. Die Verfahren seien “hoch unbefriedigend”, sagte Seehofer.

EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel warnte dagegen vor “dramatischen” Folgen. Ein Moratorium bei der Zulassung gentechnisch veränderter Mais- und anderer Getreidesorten würde die Futtermittelpreise in Europa weiter hochtreiben, so Fischer Boel. Sie steigen seit Monaten. Die Kommissarin empfahl daher, Importzölle auf alle Getreidesorten außer Hafer bis Ende Juni 2008 auszusetzen, um die Einfuhr zu verbilligen. Wenn die EU gentechnisch veränderte Futtermittel aus den USA und Brasilien nun nicht mehr zulasse, werde dies langfristig zur Auslagerung der Fleischproduktion aus Europa führen.

Seehofer schloss sich mit seiner Kritik Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) an, der eine Grundsatzdebatte über das Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Pflanzen auf dem EU-Gipfel im Dezember gefordert hatte. Seehofer bemängelte unter anderem die Strukturen der europäischen Lebensmittelbehörde Efsa: “Die Zulassung solcher Dinge durch Beteiligung der Wirtschaft, die dies wieder vertreiben möchte, ist ja auch zu hinterfragen.” Grundsätzlich ist Seehofer aber dafür, über die Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen nur eine Fachbehörde entscheiden zu lassen, statt wie gegenwärtig zusätzlich die EU-Kommission und die EU-Landwirtschaftsminister zu Rate zu ziehen.

Mit Blick auf die von der EU-Kommission angeregte Kürzung der Agrarsubventionen für Großbetriebe warnte Seehofer vor einer einseitigen Belastung Ostdeutschlands. “So wie der Vorschlag jetzt lautet, würden ja die Betriebe in den neuen Bundesländern praktisch die Hälfte des Einsparvolumens in ganz Europa erbringen.” Fischer Boel sagte, sie sei mit der speziellen Lage ehemaliger Landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften (LPG) vertraut und werde diese berücksichtigen. Sie deutete an, Großbetriebe mit mehreren Eignern könnten besonders behandelt werden. ap

gefunden bei: Frankfurter Rundschau

“Verwenden Sie Trockenmilchpulver von Kühen, die gentechnisch verändertes Futter bekommen?” Auf diese Frage an bekannte Schokoladehersteller hat Greenpeace keine Antwort bekommen - es müsse daher davon ausgegangen werden, dass Gentechprodukte verwendet werden, schlussfolgern die Umweltschützer.

Zum dritten Mal hat der Greenpeace-Ratgeber Marktcheck.at Schokoladenikolos nach ökologischen, sozialen und Tierschutzkriterien überprüft. Von 37 getesteten Produkten seien nur drei empfehlenswert.

gefunden bei: ORF

Eigentlich ist Stavros Dimas nicht der Prototyp eines kämpferischen Umweltpolitikers. Daß der ehemalige Wallstreet-Anwalt und konservative Politiker aus Griechenland ausgerechnet das Umwelt-Ressort der Europäischen Kommission bekam, hatte wenig mit seinen Meriten auf diesem Gebiet und viel mit Brüsseler Proporz, vielleicht sogar einer gewissen Mißachtung des Ressorts zu tun. Doch mittlerweile ist der nette ältere Herr zum Industrieschreck geworden. Zumindest für die Gentechnik-Industrie. Und jetzt traut er sich was noch keine/r seiner VorgängerInnen wagte: Gegen den Rat der wissenschaftlichen Experten der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde will er zwei Gentechnik-Maissorten verbieten und bringt damit die Industrie, die WTO und viele seiner eigenen Kollegen auf die Palme…

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Greenpeace: Keine verlässlichen Analysemethoden für Giftgehalt in Gen-Pflanzen

Greenpeace veröffentlicht heute in Berlin neue Forschungsergebnisse, nach denen es keine verlässliche Messmethode für den Giftgehalt im Gen-Mais gibt. Der in Deutschland angebaute genmanipulierte Mais Mon810 des Agrarkonzernes Monsanto produziert ein Insektizid, mit dem die Pflanze Schädlinge abtötet.

Da es bisher kein standardisiertes Analyseverfahren für den Giftgehalt der Gen-Pflanzen gibt, werden verschiedene Methoden verglichen. Die Firma EcoStrat GmbH in Zürich hat im Auftrag von Greenpeace Gen-Mais-Proben von deutschen Dckern untersucht. Das Ergebnis: Je nach Analysemethode schwanken die Messergebnisse für die Menge des Insektizides in den selben Pflanzenteilen um bis zu hundert Prozent. Angesichts der vorliegenden Ergebnisse fordert Greenpeace einen Anbaustopp.

“Wir waren sehr überrascht, als wir die Ergebnisse sahen”, sagt Matthias Meier von EcoStrat. “Es ist derzeit nicht möglich, verlässlich zu überprüfen, wieviel Toxin der Mon810-Mais wirklich produziert. Auch zehn Jahre nach der Zulassung der Pflanzen gibt es noch immer keine einheitlichen und überprüfbaren Teststandards.”

EcoStrat verglich den Gehalt des Insektizides Bacillus thuringiensis (Bt) in den Gen-Mais-Proben mit zwei so genannten ELISA-Verfahren (enzyme-linked immunosorbent assay). Der Nachweis erfolgt mit Hilfe von Antikörpern, die sich an das Bt-Protein im Gen-Mais binden. Eines der beiden ELISA-Verfahren wird in ähnlicher Form auch von Monsanto verwendet. Mit dem Messprotokoll von Monsanto hat EcoStrat in der Regel die geringeren Bt-Werte in den Pflanzen-Proben gefunden. Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) hatte den Konzern im April 2007 aufgefordert, einen umfassenden Überwachungsplan zu den Umweltrisiken von Mon810 vorzulegen. Legt Monsanto diesen Plan nicht vor, will Seehofer den Anbau im kommenden Jahr verbieten.

Gegen diese Auflage hat Monsanto inzwischen geklagt.

“Verlässliche Testverfahren sind eine wesentliche Voraussetzung für die Risikobewertung und den Anbau von Gen-Pflanzen”, sagt Gentechnik-Experte Christoph Then von Greenpeace. “Da diese Grundlage fehlt, muss Horst Seehofer den Anbau des Gen-Maises verbieten.”

Gentechnikkonzerne bekommen derzeit ungewohnten Gegenwind. Horst Seehofer hat sich erst gestern in Brüssel für einen EU-Zulassungsstopp gentechnisch veränderter Agrarprodukte ausgesprochen. Auch EU-Umweltkommissar Stavros Dimas hat vorgeschlagen, die Zulassung von zwei neuen Gen-Maissorten abzulehnen - zum ersten Mal gegen die Empfehlung der umstrittenen Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass die französische Regierung einen Anbaustopp für den Gen-Mais Mon810 im kommenden Jahr durchsetzen will.

Auch Österreich, Polen, Ungarn und Griechenland haben den Anbau des Gen-Maises bereits untersagt.

gefunden bei: Umweltruf.de