Archiv nach Monaten: August 2007

Gesetzesvorhaben in Thailand auf Eis gelegt. Umweltaktivisten, Wissenschaftler und selbst Teile der Agrarindustrie protestieren gegen geplante Förderung der Gentechnik

Von Thomas Berger
Proteste müssen wohl spektakulär sein, um wahrgenommen zu werden: Als aufgebrachte Umweltaktivisten vor einigen Tagen neun Tonnen Papayas vor dem Landwirtschaftsministerium in Thailands Hauptstadt Bangkok abkippten, hatten sich die Medien des Landes allerdings längst des Streitfalles angenommen. Umweltschützer von Greenpeace und anderen Gruppen begehrten auf diese Weise gegen Pläne der Regierung in Bangkok auf, den Anbau gentechnisch veränderter Agrarprodukte zu fördern, die am Dienstag beschlossen werden sollten. Die Absicht des Ministeriums, bestehende ohnehin laxe Schutzmechanismen weiter auszuhebeln, stieß allerdings nicht nur bei Umwelt- und Naturschützern, sondern auch bei Wissenschaftlern und sogar bei Teilen des Agrobusiness auf scharfe Kritik, so daß die Regierung am Mittwoch zurückrudern mußte.

Unkontrollierte Verbreitung
Die Debatte um das Für und Wider der Gentechnik läuft in Thailand ebenso wie in anderen Ländern schon seit Jahren. Vor allem ging es hier bislang um den Reis, denn das traditionelle Hauptnahrungsmittel Asiens stand bislang im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen von Befürwortern und strikten Gegnern des Anbaus und der Vermarktung gentechnisch manipulierter Pflanzen. Momentan jedoch hat eine andere Frucht diesen Platz eingenommen – der aktuelle Streit dreht sich um die melonenartige Papaya.
Trotz eines noch bestehenden Verbots zum Anbau von Genpflanzen hat die Verbreitung des entsprechenden Saatgutes inzwischen erhebliche Ausmaße angenommen. Das Agrarministerium selbst hatte eine Versuchsanlage in Khon Kaen im Nordosten des Landes schließen lassen, doch von dort sind Papaya-Samen an 2600 Bauern in 37 Provinzen verteilt worden. Andere gentechnische Experimentierfarmen sind in mehreren Gebieten weiterhin in Betrieb, so daß die eine Schließung kaum ins Gewicht fällt, wie die Online-Ausgabe der englischsprachigen Tageszeitung Bangkok Post zu Wochenbeginn die Kritiker zitierte. Mit der vom Minister angestrebten Aufhebung des Anbauverbots für genveränderte Kulturen komme die Regierung nur einigen wenigen Firmen entgegen, während großflächig die thailändischen Landwirtschaftsexporte einer Gefährdung ausgesetzt würden. Schließlich gebe es international kaum einen Markt für solche Produkte – im Gegenteil. Genetisch manipulierte Pflanzen und deren Früchte seien in vielen Ländern ausdrücklich unerwünscht oder verboten.
So macht die neuerliche Auseinandersetzung auch nicht bei den Papayas halt. Der Dachverband der Reisexporteure Thailands, eine keineswegs unwichtige Lobbyorganisation, hat sich klar und deutlich auf die Seite der Umweltverbände gestellt. Schon vor einem Jahr hatten ihre führenden Vertreter absolute Gentechnik-Freiheit als Marktvorteil gepriesen, jetzt wird im Umkehrschluß vor den Risiken gewarnt, die eine Aufweichung bestehender Schutzmechanismen bei anderen Kulturen auch auf den Reisanbau im Land sowie den Handel haben könnte.
Selbst in Regierungskreisen ist das Vorgehen des Landwirtschaftsministers nicht kritiklos geblieben. Oranuch Osathanonda, die stellvertretende Handelsministerin, kann die Bedenken von Bauern, Exporteuren und Umweltaktivisten sehr gut nachvollziehen. In einer Deutlichkeit, wie dies von einem Kabinettsmitglied niemand erwartet hätte, sprach sie sich gegen jegliche Förderung genveränderter Agrarprodukte aus. Die aktuellen Papaya-Pläne stellten eine akute Gefahr für die gesamten Ausfuhren landwirtschaftlicher Güter in anderen Staaten dar. Thailand riskiere, ein Vielfaches dessen, was die Initiatoren der Freigabe sich an Umsatzsteigerung erhofften, durch Boykott von landwirtschaftlichen Gütern zweifelhafter Herkunft an Einnahmen zu verlieren.

Halber Rückzieher
Wohl aufgrund der massiven Gegenwehr lenkte der Agrarminister ein, und die Pläne wurden dem Kabinett noch nicht vorgelegt. Vorerst jedenfalls. Wie Minister Thira Sutabatra am Mittwoch vor der Presse verkündete, werde das Vorhaben zunächst zurückgestellt. Mitarbeiter seines Hauses würden sich mit Vertretern des Wissenschafts- und des Ressourcenministeriums treffen, um die offenen Fragen zu diskutieren. Auch die Standpunkte von Nichtregierungsorganisationen sollen gehört werden. In den nächsten Tagen würden an Abgesandte der Umweltgruppen Einladungen für eine öffentliche Anhörung ergehen. Ein Komitee unter Vorsitz von Vizepremier Paiboon Watthanasiritham werde die vorgebrachten Argumente ebenso wie zusätzliche neue Daten zu dem Themenkomplex analysieren und dann eine Entscheidung fällen. Allerdings wies der Minister jeglichen Vorwurf zurück, existierende Versuchsanlagen stellten eine Gefahr dar. Auch wenn das offizielle Gesetz dazu noch nicht in Kraft sei, würden alle Experimente nach dessen strengen Regularien erfolgen. Diese Beteuerung wird jedoch nicht nur von Greenpeace in Frage gestellt.

gefunden bei: Junge Welt

Gesetzesvorhaben in Thailand auf Eis gelegt. Umweltaktivisten, Wissenschaftler und selbst Teile der Agrarindustrie protestieren gegen geplante Förderung der Gentechnik

Von Thomas Berger
Proteste müssen wohl spektakulär sein, um wahrgenommen zu werden: Als aufgebrachte Umweltaktivisten vor einigen Tagen neun Tonnen Papayas vor dem Landwirtschaftsministerium in Thailands Hauptstadt Bangkok abkippten, hatten sich die Medien des Landes allerdings längst des Streitfalles angenommen. Umweltschützer von Greenpeace und anderen Gruppen begehrten auf diese Weise gegen Pläne der Regierung in Bangkok auf, den Anbau gentechnisch veränderter Agrarprodukte zu fördern, die am Dienstag beschlossen werden sollten. Die Absicht des Ministeriums, bestehende ohnehin laxe Schutzmechanismen weiter auszuhebeln, stieß allerdings nicht nur bei Umwelt- und Naturschützern, sondern auch bei Wissenschaftlern und sogar bei Teilen des Agrobusiness auf scharfe Kritik, so daß die Regierung am Mittwoch zurückrudern mußte.

Unkontrollierte Verbreitung
Die Debatte um das Für und Wider der Gentechnik läuft in Thailand ebenso wie in anderen Ländern schon seit Jahren. Vor allem ging es hier bislang um den Reis, denn das traditionelle Hauptnahrungsmittel Asiens stand bislang im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen von Befürwortern und strikten Gegnern des Anbaus und der Vermarktung gentechnisch manipulierter Pflanzen. Momentan jedoch hat eine andere Frucht diesen Platz eingenommen – der aktuelle Streit dreht sich um die melonenartige Papaya.
Trotz eines noch bestehenden Verbots zum Anbau von Genpflanzen hat die Verbreitung des entsprechenden Saatgutes inzwischen erhebliche Ausmaße angenommen. Das Agrarministerium selbst hatte eine Versuchsanlage in Khon Kaen im Nordosten des Landes schließen lassen, doch von dort sind Papaya-Samen an 2600 Bauern in 37 Provinzen verteilt worden. Andere gentechnische Experimentierfarmen sind in mehreren Gebieten weiterhin in Betrieb, so daß die eine Schließung kaum ins Gewicht fällt, wie die Online-Ausgabe der englischsprachigen Tageszeitung Bangkok Post zu Wochenbeginn die Kritiker zitierte. Mit der vom Minister angestrebten Aufhebung des Anbauverbots für genveränderte Kulturen komme die Regierung nur einigen wenigen Firmen entgegen, während großflächig die thailändischen Landwirtschaftsexporte einer Gefährdung ausgesetzt würden. Schließlich gebe es international kaum einen Markt für solche Produkte – im Gegenteil. Genetisch manipulierte Pflanzen und deren Früchte seien in vielen Ländern ausdrücklich unerwünscht oder verboten.
So macht die neuerliche Auseinandersetzung auch nicht bei den Papayas halt. Der Dachverband der Reisexporteure Thailands, eine keineswegs unwichtige Lobbyorganisation, hat sich klar und deutlich auf die Seite der Umweltverbände gestellt. Schon vor einem Jahr hatten ihre führenden Vertreter absolute Gentechnik-Freiheit als Marktvorteil gepriesen, jetzt wird im Umkehrschluß vor den Risiken gewarnt, die eine Aufweichung bestehender Schutzmechanismen bei anderen Kulturen auch auf den Reisanbau im Land sowie den Handel haben könnte.
Selbst in Regierungskreisen ist das Vorgehen des Landwirtschaftsministers nicht kritiklos geblieben. Oranuch Osathanonda, die stellvertretende Handelsministerin, kann die Bedenken von Bauern, Exporteuren und Umweltaktivisten sehr gut nachvollziehen. In einer Deutlichkeit, wie dies von einem Kabinettsmitglied niemand erwartet hätte, sprach sie sich gegen jegliche Förderung genveränderter Agrarprodukte aus. Die aktuellen Papaya-Pläne stellten eine akute Gefahr für die gesamten Ausfuhren landwirtschaftlicher Güter in anderen Staaten dar. Thailand riskiere, ein Vielfaches dessen, was die Initiatoren der Freigabe sich an Umsatzsteigerung erhofften, durch Boykott von landwirtschaftlichen Gütern zweifelhafter Herkunft an Einnahmen zu verlieren.

Halber Rückzieher
Wohl aufgrund der massiven Gegenwehr lenkte der Agrarminister ein, und die Pläne wurden dem Kabinett noch nicht vorgelegt. Vorerst jedenfalls. Wie Minister Thira Sutabatra am Mittwoch vor der Presse verkündete, werde das Vorhaben zunächst zurückgestellt. Mitarbeiter seines Hauses würden sich mit Vertretern des Wissenschafts- und des Ressourcenministeriums treffen, um die offenen Fragen zu diskutieren. Auch die Standpunkte von Nichtregierungsorganisationen sollen gehört werden. In den nächsten Tagen würden an Abgesandte der Umweltgruppen Einladungen für eine öffentliche Anhörung ergehen. Ein Komitee unter Vorsitz von Vizepremier Paiboon Watthanasiritham werde die vorgebrachten Argumente ebenso wie zusätzliche neue Daten zu dem Themenkomplex analysieren und dann eine Entscheidung fällen. Allerdings wies der Minister jeglichen Vorwurf zurück, existierende Versuchsanlagen stellten eine Gefahr dar. Auch wenn das offizielle Gesetz dazu noch nicht in Kraft sei, würden alle Experimente nach dessen strengen Regularien erfolgen. Diese Beteuerung wird jedoch nicht nur von Greenpeace in Frage gestellt.

gefunden bei: Junge Welt

Joseph Wilhelm will mit seinem Protestmarsch über 1200 Kilometer von Lübeck nach Lindau die Menschen für die Gefahren der Gentechnik sensibilisieren.

Eigentlich wollte sich Joseph Wilhelm nur einen Sommer lang eine Auszeit vom Alltag nehmen und entspannt durch Deutschland wandern. Weil der 53jährige von Beruf Chef einer Naturkostmarke ist, wollte er seine Wanderung mit Vorträgen gegen Gentechnik verbinden. Aus dieser Idee entstand ein Protestmarsch von Nord nach Süd, von Lübeck nach Lindau. Unter dem Motto Genfrei gehen hat sich Wilhelm Ende Juli in Lübeck auf den Weg gemacht um die 1200 Kilometer bis nach Lindau abzulaufen. Doch der Wanderer blieb nicht lange alleine, schon bald schlossen sich Ihm Gleichgesinnte aus ganz Deutschland an. Manche nur für eine Etappe, Andere für mehrere Etappen. Bisher haben ihn schon mehr als tausend Gen-Gegner auf seinen Etappen begleitet. Am Mittwoch stand die Strecke Karlstadt Würzburg auf seinem Plan.

Weitere Informationen zur Aktion “Genfrei gehen” finden Sie im Online-Tagebuch von Joseph Willhelm unter folgender Adresse: www.genfrei-gehen.de

Video download hier

gefunden bei: Kanal 8

Kiel / ge - Ohne es zu wissen haben Landwirte in den vergangenen Wochen offenbar gentechnisch veränderten Raps ausgesät. Das Saatgut stammt von der Deutschen Saatveredelung AG Lippstadt (Nordrhein-Westfalen). Experten des dortigen Landwirtschaftsministeriums hatten bei einer Kontrolle die gentechnisch veränderten Körner in der Charge “Taurus D/BN 3237/318″ entdeckt.

Dr. Ernst-Michael von Abercron vom Kieler Landwirtschaftsministerium: “In den Proben wurde Erbgut nachgewiesen, das auf eine gentechnisch erzeugte Resistenz gegenüber einem Herbizid hindeutet. Dafür gibt es keine Zulassung.”

Das Saatgut wurde nach Schleswig-Holstein, Mecklenburg Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Hessen verkauft. In Schleswig-Holstein soll der Gen-Raps trotz Rückrufaktion des Herstellers auf 300 Hektar ausgesät worden sein, in Mecklenburg-Vorpommern auf 600 Hektar.
Woher kommt der Gen-Raps, der innerhalb der EU nicht angebaut werden darf? Christoph Lüdecke, Vorstand der Deutschen Saatveredelung AG: “Wir wissen es nicht. Wir züchten nicht mit gentechnisch veränderten Produkten. Eine Quelle könnten Pollen sein, die Ende der 90er Jahre freigesetzt wurden. Damals gab es von der Bundesregierung genehmigte Freilandversuche.”

Das Landwirtschaftsministerium ermittelt derzeit die in Schleswig-Holstein betroffenen Landwirte. Minister Christian von Boetticher (CDU): “Sie müssen die Saat vernichten, nachdem sie gekeimt hat. Das ist gesetzlich erforderlich und auch notwendig, um das Vertrauen der Verbraucher zu erhalten.”

Wer den Schaden ersetzt, ist noch unklar. Der Minister fordert, dass die Landwirte durch den Verursacher entschädigt werden.

 

gefunden bei: SHZ

Kiel/Schwerin (AP) In Norddeutschland ist trotz Verbot auf rund 1.000 Hektar teilweise gentechnisch veränderter Raps ausgesät worden. Nun müssen die Flächen gepflügt werden, damit die Saat vernichtet wird. Das Saatgut stammt aus einem Betrieb in Lippstadt in Nordrhein-Westfalen, wie die Landwirtschaftsministerien von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern am Donnerstag mitteilten.
In Mecklenburg-Vorpommern wurden 270 Einheiten der Saatgutpartie angeliefert und zum größten Teil auf bis zu 810 Hektar ausgebracht, wie die Behörde erklärte. In den bisher untersuchten Proben wurde Erbgut nachgewiesen, das auf eine gentechnisch erzeugte Resistenz gegenüber einem Spritzmittel hindeute. In Schleswig-Holstein ist laut Ministerium eine Anbaufläche von 300 Hektar betroffen. Gentechnisch veränderter Raps ist nicht zur generellen Anwendung in Deutschland genehmigt.

gefunden bei: PR Inside