Archiv nach Monaten: Juli 2007

Annette Hauschild/Helmut Lorscheid 31.07.2007
Durchwuchs von Genmais auf einem Versuchsfeld von Monsanto in Deutschland

Im Herbst wird die Bundesregierung eine Novelle zum Gentechnikgesetz verabschieden. Von zentraler Bedeutung für den Erhalt gentechnikfreier Nahrungsmittel ist die Frage des Abstands. Derweil zeigen sich unvorgesehene Probleme auf Gentechnikäckern. Beim Monsanto-Mais gab es jüngst “erheblichen Durchwuchs”.

Nur eines ist sicher bei der Gentechnik – allen, die sich damit befassen, wird es nicht langweilig. Fast täglich gibt es neue Ereignisse und nur sehr selten gibt es Erfreuliches zu vermelden. Jetzt wurde ein Brief der Umweltverwaltung der Bezirksregierung Arnsberg vom 21. Juni dieses Jahres an das Ministerium für Umwelt- und Naturschutz in Düsseldorf bekannt, in dem zur “Gentechniküberwachung Firma Monsanto Agrar Deutschland GmbH …am Standort Werne” mitgeteilt wird, dass es in diesem Jahr aufgrund des sehr milden Winters erstmalig bei der o.g. Freisetzung zu Durchwuchsmais kam.

Verantwortlich war den Umweltbürokraten zufolge also der “milde Winter” – sprich das Wetter. Diese Ausrede vermag nicht jeden unbedingt zu beruhigen. Problematisch an dieser Ausrede könnte der Umstand sein, dass “das Wetter” bereits in der herkömmlichen Landwirtschaft eine nicht unwichtige Rolle spielt.

Das Wetter oder die Militanten?

Nun haben sich die Damen und Herren der PR-Abteilung bei Monsanto etwas ganz Neues einfallen lassen, als sie Telepolis mitteilten:

Im Rahmen eines Freisetzungsversuches mit gentechnisch verändertem (gv) Mais der Linie NK603 hat Monsanto am Standort Werne auf einer Teilfläche einer zusammenhängenden Versuchsfläche, auf der in 2006 gv Mais geprüft wurde, Durchwuchs von gv Mais festgestellt. Diese Feststellung wurde der zuständigen Überwachungsbehörde durch Monsanto unverzüglich gemeldet.

Der Durchwuchsmais wurde entsprechend der Nachkontrollmaßnahmen unverzüglich und vor der Blüte vollständig beseitigt. Es bestand zu keiner Zeit ein Sicherheitsrisiko oder die Möglichkeit einer ungewollten Auskreuzung.

Die Gesamtfläche befindet sich in Bewirtschaftung von Monsanto. Auf dieser Fläche wird kein konventioneller Mais zu kommerziellen Zwecken angebaut. Der Grund für das Auftreten von gv Durchwuchsmais auf dieser Fläche ist auf die Zerstörung der Freisetzungsversuchs in 2006 durch Aktivisten zurückzuführen.

Die militanten Gentechnik-Gegner waren es also - nicht das Wetter. Für die bürgerlichen Gegner grüner Gentechnik sind solche Erklärungsversuche wenig seriös. Für Dipl.-Geogr. Ralf Bilke vom BUND NRW ist die Aussage :’Der Grund für das Auftreten von gv Durchwuchsmais auf dieser Fläche ist auf die Zerstörung der Freisetzungsversuche in 2006 durch Aktivisten zurückzuführen…’ völliger Unfug.

Einmal abgesehen davon, dass Monsanto diese Behauptung nicht weiter erläutert und nachvollziehbar belegt, teile ich die Auffassung der Bezirksregierung Arnsberg, dass die Ursache für den Durchwuchs der vergleichsweise milde Winter ist. Anders als Raps, der winterhart ist, gilt Mais als sehr frostempfindlich, so dass nach einem ‘normalen’ Winter keine keimfähigen Maiskörner mehr im Boden anzutreffen sind. Einen Zusammenhang des milden Winters mit der ‘Feldzerstörung’, die wir im übrigen ablehnen und für den falschen Weg der Auseinandersetzung halten, kann ich nicht erkennen.

Missachtung des Mindestabstands in Borken

Der BUND NRW [extern] weist auf weitere bemerkenswerte Vorgänge im Zusammenhang mit Monsanto hin In Borken, so der BUND, ließ der Agro-Konzern Monsanto eine Ackerfläche mit gentechnikfreiem Mais umbrechen, um so seinen umstrittenen Anbau des Gentech-Mais MON 810 in unmittelbarer Nachbarschaft aufrecht erhalten zu können.

Die Missachtung des bislang von den Behörden geforderten Abstands von nur 150 Metern zum gentechnikfreien Nachbarfeld veranlasste die Opposition im Nordrhein-westfälischen Landtag, eine Aktuelle Stunde zu fordern. In der Debatte [extern] verdeutlichte der CDU-Landtagsabgeordnete Friedhelm Ortgies die Gleichgültigkeit seiner Partei gegenüber den weitgehend noch unbekannten Risiken Grüner Gentechnik:

Die Firma Monsanto hat den Abstand von 150 m nicht eingehalten und hat nicht ordnungsgemäß und nicht rechtmäßig gehandelt. Das ist nicht klug. Man kann es auch als Dummheit bezeichnen, wenn man sich auf diesem hochsensiblen Gebiet nicht genau an die Grenzen hält, die rechtmäßig vorgegeben sind. Daraus allerdings eine Aktuelle Stunde im Landtag Nordrhein-Westfalen zu machen, ist, als würde man die Mücke zum Elefanten machen.

Die SPD-Abgeordnete Svenja Schulze machte hingegen au die möglichen Risiken aufmerksam:

Sie reden von Koexistenz und wissen noch nicht einmal, welche Gefahren von der Freisetzung dieser gentechnisch veränderten Pflanzen ausgehen. Sie setzen Pflanzen in die Umwelt und wissen nicht, was damit passiert. Wir wissen inzwischen aus zahlreichen Studien – auch das Bundesamt für Verbraucherschutz verweist auf neue Studien –, dass Genmais negative Auswirkungen auf Organismen hat. Wir wissen das inzwischen ganz genau von Fliegen, Wespen, Spinnen und Schmetterlingen; wir wissen aber noch nicht, welche Auswirkungen es auf die Menschen hat. Monsanto nimmt das alles billigend in Kauf, will weiter forschen und weitermachen, da sie viel Geld investiert haben…

Eine Sprecherin der Firma Monsanto erwähnte Borken als Beleg dafür, dass nicht der milde Winter, sondern zuvor bereits erwähnten “Aktivisten” Grund für den Durchwuchs in Werne waren, den es in Borken schließlich nicht gegeben habe:

Am Standort Borken wurde in 2006 gv Mais der zur Inverkehrbringung zugelassenen Mais der Linie MON810 geprüft. Die Fläche, auf der sich nunmehr Weizen befindet, wurde im Frühjahr 2007 durch die zuständige Überwachungsbehörde Münster auf Durchwuchsmais inspiziert. Es wurde kein Durchwuchsmais festgestellt.

Monsanto behauptet also nicht, es habe dort keinen Durchwuchs gegeben: Es wurde lediglich keiner festgestellt.

Umstritten ist, ob 150 oder auch 300 Meter Abstand in der Landwirtschaft eine ausreichende Sicherheit darstellen können, da Gräserpollen, wozu auch Mais gehöre, so Gero Garthaus (SPD) in der Debatte über Monsanto in Borken, ” ziemlich weit, kilometerweit”, fliegen. Imker verweisen darauf, dass Bienen in einem Umkreis von 6 km fliegen. Viele Imker fürchten deshalb langfristige Folgen und möglicherweise den Verlust ihrer Bienenvölker. Der Grüne Abgeordnete Johannes Remmel zitierte im Landtag aus einem Schreiben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Umpflügen statt Gen-Mais ernten?), in dem es heißt:

Erst mit jüngeren Untersuchungen wurde deutlich, dass und in welchem Ausmaß das Bt-Toxin über die Pflanze in höhere Nahrungskettenglieder gelangt. … Diese neuen und zusätzlichen Informationen … geben berechtigten Grund zu der Annahme, dass der Anbau von MON810 eine Gefahr für die Umwelt darstellt.” Ich wiederhole: “eine Gefahr für die Umwelt darstellt“!

Monsanto versichert in einer Pressemitteilung, dass der von französischen Wissenschaftlern geäußerte Verdacht, MON 863 habe bei Ratten in einem Fütterungsversuch von Monsanto zu gesundheitlichen Schäden geführt, nicht zu halten sei:
Die EFSA bekräftigt nun nach ihrer neuerlichen Bewertung der Séralini-Studie, dass MON863 bei Ratten keinerlei Effekte hervorruft und die beobachteten Schwankungen ohne Zweifel innerhalb der natürlichen Bandbreite liegen. Auch die nationalen Behörden, darunter die französische Behörde für Lebensmittelsicherheit AFSSA (Agence Française de Sécurité Sanitaire des Aliments) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatten die Bedenken von Séralini et al. umgehend abgewiesen.

gefunden bei: heisse.de

von dpa

Ein groß angelegter Freisetzungsversuch der gentechnisch veränderten Stärkekartoffel “Amflora” sorgt im Süden Mecklenburgs und in Nordbrandenburg für Unruhe. Auf 43 Hektar wird bei Zepkow (Müritzkreis) die Amflora-Knolle für die industrielle Stärkeproduktion angebaut und bewacht.

Der Unterschied ist sichtbar: Auf dem Feld von Karl-Heinrich Niehoff bei Zepkow sprießt frisches Grün der Gen-Stärkekartoffel Amflora, wenige Meter weiter im Garten eines Anwohners hat die Krautfäule das Kraut der Speisekartoffeln schwarz gefärbt. “Wir haben keine Angst, dass da was rüberwächst”, sagt der Mann. Niehoff als Fachmann werde schon wissen, wo rauf er sich da einlasse. Das bezweifeln aber die Initiative “Müritz-Region gentechnikfrei” und die Grünen im Bundestag. “Wir befürchten eine Aufweichung der bisherigen Gesetze im Umgang mit genveränderten Organismen”, sagte die grüne Abgeordnete Cornelia Behm.

Auf 155 Hektar in MV und im Nordwesten Brandenburgs hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) dem Konzern BASF einen Anbau der Amflora-Knollen als “Freisetzungsversuch” genehmigt. Fachleute rechnen in Kürze mit der EU-Zulassung der Amflora für die Stärkeproduktion, da es der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit zufolge keine Sicherheitsbedenken geben soll. Ein Antrag, die Amflora-Kartoffel auch als Lebens- und Futtermittel zuzulassen, sei noch nicht entschieden.

“Mit solchen Versuchen soll die Saatgutproduktion noch vor der EU-Zulassung vorweggenommen werden, denn so große Versuchspflanzungen gab es noch nie”, protestiert Burkhard Roloff vom Umweltverband BUND. Ein Nebeneinander von Gen-Pflanzen und gentechnikfrei wirtschaftenden Bauern sei unmöglich. “Auch die Auswirkungen eines Gens, das gegen bestimmte Antibiotika resistent ist, ist noch nicht genug geklärt”, ergänzt Harald Terpe, grüner Bundestagsabgeordneter.

“Wenn es uns nicht gelingt, mehr und effizienter Stärke aus der Kartoffel zu holen, könnte der Kartoffelanbau in Nordeuropa bald ganz verschwunden sein”, begründet Landwirt Niehoff sein Engagement. Nur zehn Prozent der Weltstärkeproduktion gingen auf Kartoffeln zurück, 90 Prozent der Stärke würden aus Mais, Reis oder anderen Rohstoffen gewonnen.

gefunden bei: Schweriner Volkszeitung

Daniela Raab (CSU)

Sehr geehrte Frau Raab

Herr Seehofer setzt sich laut Lebensmittelzeitung Ausgabe 29 vom 20.7.07 dafür ein die Kennzeichnung für “Ohne Gentechnik” auch für gentechnisch veränderte Produkte zu öffnen, dabei arbeitet er mit Abgeordneten der SPD zusammen. Wie stehen Sie und die CSU zu dieser Situation?

Gruß Jureschek

Sehr geehrter Herr Jureschek,

es ist richtig, dass im Zuge der Novellierung des Gentechnikrechts unser Koalitionspartner SPD unter Anderem auf einer Änderung der nationalen Regelungen in der “Neuartige Lebensmittel- und Lebensmittelzutaten-Verordnung” bestanden hat. Diese Änderung ist *ein* Punkt bei dem in der vergangenen Woche von Bundesminister Seehofer vorgestellten Kompromiss innerhalb der Großen Koalition. Bereits bisher war es Ökoproduzenten möglich, ihre Produkte mit dem Hinweis “ohne Gentechnik” zu versehen (seit 1998; eingeführt in der Zuständigkeit des damaligen Gesundheitsministers Seehofer). Leider wurde diese Möglichkeit bisher (wegen sehr strenger Auflagen) von den Ökoproduzenten praktisch nicht genutzt.

Die jetzt beabsichtigte Änderung der Verordnung auf Wunsch der SPD-Bundestagsfraktion wird damit begründet, dass für deutsche Bio-Produzenten andernfalls eine Wettbewerbsbenachteiligung gegenüber anderen europäischen Produzenten entstehe, weil die Regelung in Deutschland wesentlich strenger ist, als die in diesem Jahr verabschiedete EU-Öko-Verordnung. Im Ergebnis hat diese tatsächlich zur Folge, dass Öko-Produkte in Zukunft gentechnisch hergestellte Mikroorganismen (zum Beispiel Enzyme, Vitamine, Aminosäuren) enthalten dürfen, und trotzdem nicht ihren Status als Ökoprodukt verlieren und mit dem Hinweis (kein eigenes oder gar neues Siegel!) “ohne Gentechnik” gekennzeichnet werden dürfen.

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat sich dagegen von Anfang an für eine UMFASSENDE prozessorientierte Kennzeichnung ALLER Lebensmittel ausgesprochen, die mit, oder unter Zuhilfenahme von Gentechnik hergestellt wurden. Damit wäre eine vollständige Transparenz für die Verbraucher vorhanden gewesen. Leider konnten wir uns mit dieser Forderung gegenüber der SPD nicht durchsetzen. Ich bedauere dies sehr. Die Entscheidung entspricht aber den politischen Realitäten in einer Koalition und kann, in Abwägung zahlreicher weiterer Details, in der Summe auch von uns mitgetragen werden, weil sie der heute bereits geltenden, europäischen Regelung entspricht.

Mit freundlichen Grüßen

Daniela Raab, MdB

Ps.: Sollten Sie noch weitere Frage haben, so wenden Sie sich doch direkt an mich. Die nötigen Kontaktdaten finden Sie auf meiner Homepage: www.daniela-raab.de

Sehr geehrte Frau Raab,

in der Antwort an Herrn Alexander Jureschek schreiben Sie:

“Im Ergebnis hat diese tatsächlich zur Folge, dass Öko-Produkte in Zukunft gentechnisch hergestellte Mikroorganismen (zum Beispiel Enzyme, Vitamine, Aminosäuren) enthalten dürfen, und trotzdem nicht ihren Status als Ökoprodukt verlieren und mit dem Hinweis (kein eigenes oder gar neues Siegel!) “ohne Gentechnik” gekennzeichnet werden dürfen.”

1. Verstehe ich dass richtig, dass dann biologische und konventionell erzeugt Lebensmittel mit dem Hinweis “ohne Gentechnik” gekennzeichnet werden dürfen, obwohl sie gentechnisch hergestellte Mikroorganismen (zum Beispiel Enzyme, Vitamine, Aminosäuren) enthalten dürfen?

2. Woran können all diejenigen, die nur Lebensmittel die ohne Gentechnik hergestellt sind haben möchten, dann erkennen welche Lebensmittel ihren Wünschen entsprechen?

Für mich würde dass heißen, dass diese Kennzeichnung schon vor in Kraft treten des Gesetzes für sinnlos erklärt werden kann.

Über eine Antwort würde ich mich freuen.
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Dienemann

Anm.: die Antwort steht noch aus (31.07.2007/10.30)

gefunden bei: Politikerwatch.de

Sylvia Kotting-UhlSylvia Kotting-Uhl (GRÜNE)

Sehr geehrte Frau Kotting-Uhl,

in Rheinstetten wird jetzt Gen-Mais angebaut für eine unsinnige Studie, die ausgerechnet ihre Kollegin Renate Künast in Auftrag gegeben hat.

Wie stehen Sie zu der Studie?

mfg
G. Cyppel

Sehr geehrter Herr Cyppel,

aus meinen Nachforschungen wird mir nicht ersichtlich um welche Studie es sich handelt - das lässt sich weder dem Standortregister entnehmen noch konnten mir die Gentechnik-ExpertInnen der Fraktion weiterhelfen. Ich kann die Frage daher nicht mit Sicherheit korrekt beantworten, aber ich versuche es:

Eventuell könnte es sich um ein Forschungsprojekt handeln, das seinerzeit noch unter Renate Künast beschlossen wurde. Darin ging es darum, eine wissenschaftliche Datenbasis im Bereich Agro-Gentechnik zu schaffen, um Auswirkungen auf Umwelt und Biodiversität besser vorhersagen und einen wirksamen Schutz der gentechnikfreien Produktion gewährleisten zu können. Daraus sollten dann Maßnahmen zum Schutz eines gentechnikfreien Landbaus und der Umwelt abgeleitet werden.

Forschungsprojekte, mit denen notwendige wissenschaftliche Daten zum Schutz der Umwelt und gentechnikfreien Landwirtschaft ermittelt werden - und zwar NICHT von Monsanto - werden auch von Umwelt- und Verbraucherverbänden gefordert. Denn leider lassen sich weder der kommerzielle Anbau noch Freisetzungsversuche einfach verbieten - das lässt das EU-Recht nicht zu. So fanden auch in der rot-grünen Regierungszeit Freisetzungsversuche statt. Allerdings wurde jeder Freisetzungsantrag sehr gründlich geprüft und der Schutz von Mensch und Umwelt hatte grundsätzlich Vorrang vor den Forschungsinteressen. Es musste gewährleistet sein, dass durch die Experimente keine unnötigen Risiken für Mensch und Umwelt eingegangen werden.

Was dagegen derzeit von Union- und SPD-Regierung an Experimenten mit gentechnisch veränderten Pflanzen genehmigt wird, ist ein Affront gegen jeden Umwelt- und Verbraucherschutz. Im Gegensatz zu Seehofers Behauptung auf dem Evangelischen Kirchentag hat die Anzahl der genehmigten Freisetzungsexperimente mit gentechnisch veränderten Pflanzen nicht ab-, sondern zugenommen. Und die Gefährdung der Umwelt wird mit Freisetzungsversuchen von Pharma-Pflanzen oder durch Versuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen mitten in Naturschutzgebieten in Kauf genommen. So etwas gab es unter rot-grün nicht. Versuche mit Pharmapflanzen, Experimente in Naturschutzgebieten oder auf dem Gelände von Genbanken sind eine vermeidbare und völlig überflüssige Gefährdung der biologischen Vielfalt und damit von Mensch und Umwelt.

Wenn Freisetzungsexperimente nicht vermieden werden können, dann muss ihr Zweck in einem vertretbaren Verhältnis zum Risiko stehen. Das ist bei derartigen Versuchen nicht der Fall. Darum haben wir die Regierung erst kürzlich mit einem Antrag (Drs-Nr. 16/4556) aufgefordert dafür zu sorgen, dass derartige Freisetzungsexperimente unterbleiben.

Mit freundlichen Grüßen
Sylvia Kotting-Uhl

gefunden bei: Abgeordnetenwatch.de

Magdeburg - Sachsen-Anhalts Umweltministerin Petra Wernicke (CDU) sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur dpa: “Wenn das Gesetz so bleibt, wird es kaum zum Anbau von gentechnisch veränderten Organismen kommen.”

Landwirtschaftsministerin Petra Wernicke, Sachsen-Anhalt (Foto: MLU Sachsen-Anhalt)

Wernicke kritisierte vor allem die vorgesehene Regelung für die Haftung bei Verunreinigung mit gentechnisch veränderten Organismen. Als Folge sei die Abwanderung von Forschern zu befürchten. “Wenn sie hier keinen Markt finden, werden sie abwandern”, sagte Wernicke. Die Haftungsregelung soll nach den von Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) vorgestellten Plänen unverändert bleiben. Wer Gen-Pflanzen anbaut, muss bei Verunreinigung von anderen Feldern unabhängig vom Verschulden haften, wenn kein Verursacher gefunden wird. Wernicke warb dagegen erneut für einen Haftungsfonds, dessen Einrichtung gescheitert war.

“Wir haben gemeinsam mit den CDU-geführten Ländern vor längerer Zeit im Bundesrat einen Vorschlag eingebracht, den man noch einmal aufrufen kann. In diesen Fonds würden Pflanzenzüchter, die gentechnisch veränderte Organismen auf den Markt bringen wollen, Landwirte und gegebenenfalls Versicherungen einzahlen”, sagte die CDU-Politikerin. Sachsen-Anhalt werde sich im Bundesrat noch einmal für eine solche Regelung stark machen. Das bisherige Gesetzgebungsverfahren sei das beste Beispiel dafür, “dass man die Rechnung ohne den Verbraucher gemacht hat”, bemängelte Wernicke. “Die Menschen haben Angst vor der Gentechnologie und sie lehnen diese in hohem Maße ab.”

gefunden bei: agrar heute