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Sterben die Bienen, stirbt auch der Mensch

Verfasst von genfood am 27. März 2007

Von Karin Seibold Schwabmünchner Allgemeine vom 27.03.07 09:03 Uhr

Butter, nichts als Butter auf dem Frühstücksbrot, und das Tag für Tag. Marmelade gäbe es keine mehr, Honig nicht und auch kaum Fruchtsäfte. Keine Äpfel, Birnen, Kirschen, Zwetschgen, keine Himbeeren, Brombeeren oder Johannisbeeren. Doch das wäre noch lange nicht alles. „Ohne Bienen würde die ganze Natur aus dem Gleichgewicht geraten“, sagt Johann Fischer, der Fachberater für Bienenzucht in Schwaben.

Aus den USA kommt die Meldung, dass dort 80 Prozent der Bienen an einer rätselhaften Krankheit gestorben sind. Solch ein Massensterben wäre auch in Deutschland fatal – da sind sich nicht nur Umweltschützer sicher. Etwa 80 Prozent der Bestäubungsarbeit übernehmen die Bienen, den Rest schaffen Schmetterlinge, Hummeln, Käfer oder Fliegen. Einige Pflanzen können sich zwar mit Selbstbestäubung helfen, sagt Fischer. Die Beerensträucher etwa, erklärt er, könnten sich mit ihren eigenen Pollen selbst befruchten. Die Früchte, die dabei entstehen, wären dann aber meist kleiner als bei der Fremdbestäubung. Auch der Raps bestäubt sich zum Teil selbst. Wesentlich ertragreicher wächst er aber, wenn die Biene mithilft.

Ganz schlecht sähe es auch für den Honig aus: Aus bis zu 200 verschiedenen Bestandteilen setzt sich der zuckersüße Aufstrich zusammen, viele dieser Substanzen gibt es nur, weil sie durch die körpereigenen Sekrete der Biene ergänzt und verändert werden. „Deshalb ist Honig nicht künstlich herstellbar“, sagt Fischer.

Am Beispiel der Schlehe erklärt er, wie weitreichend ein Massensterben der Bienen den Kreislauf der Natur stören würde: Werden die Gewächse im Frühling nicht bestäubt, bilden sie im Sommer und Herbst keine Früchte. Dann haben die Vögel kein Futter und kommen so kaum über den Winter.

Dass die Insekten aber vom Aussterben bedroht sind, sei „derzeit hierzulande nicht zu befürchten“, sagt Fischer, und auch die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau sieht keine Gefahr: Weil die deutschen Bienen wohlauf seien, anders als in den USA, wo viele einfach verschwunden sind: Die erwachsenen Bienen sind dort einfach nicht mehr zurückgekommen zum Stock, und die jungen Tiere konnten allein nicht überleben.

„Ein Bienensterben wie in den USA wäre für unsere Landwirtschaft katastrophal“, sagt auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete und promovierte Biologe Anton Hofreiter. In Deutschland gilt die Biene nach Rind und Schwein als wichtigstes Nutztier. Je nach Jahr leben etwa 800 000 Bienenvölker in der Bundesrepublik. Bis zu 15 000 Tiere überleben pro Volk den Winter, im Sommer vermehren sich die Völker auf bis zu 50 000 Mitglieder. Schuld an dem Bienen-Sterben in den USA, vermutet Hofreiter, könnte die Gentechnik sein. Weil die Tiere in Amerika im Winter mit Maissirup gefüttert werden, fordert er, dort einen Zusammenhang zwischen Gentechnik und dem Tod der Insekten zu untersuchen.

„An der Gentechnik liegt das nicht, das sind reine Spekulationen“, ärgert sich hingegen Fischer. Er macht die mangelhafte Fürsorge der amerikanischen Imker für das Massensterben verantwortlich. Während in Deutschland ein Imker etwa 1000 Völker betreue, kümmerten sich die Imker in Amerika um bis zu zehnmal so viele Tiere. Auf Trucks fahren sie dort ihre Völker zu den Feldern der Farmer.

„Die hätten früher merken müssen, dass mit ihren Tieren etwas nicht stimmt“, sagt Fischer. Er glaubt nicht an eine „spektakuläre neue Krankheit“, sondern „an verschiedene Faktoren, die wegen der schlechten Fürsorge nicht rechtzeitig bemerkt worden sind“. Zudem, sagt Fischer, würde die Nachricht vom Massensterben den US-Imkern auch nicht unbedingt schaden: Sie erhöhe die Ängste der Farmer, die ja auf die Tiere angewiesen sind, und sie erhöhe so auch die Preise, die die Imker für ihre Dienste fordern können.

Eine Antwort zu “Sterben die Bienen, stirbt auch der Mensch”

  1. Harald Feix sagte

    Das Bienensterben hat inzwischen auch Deutschland erreicht, wie aus einer Rundmail von GRÜNES UNABHÄNGIGES ÖSTERREICH (Ö)
    die bürgerlichen Grünen
    (gruenes.unabhaengiges.oesterreich@chello.at
    http://www.guoe.at) hervor geht. Mir selbst fällt in meinem Garten in den Pflaumenbäumen, die in voller Blüte stehen, das Fehlen der Bienen auf; es gibt nur ein paar Hummeln und ganz wenige Wildbienen. – Es ist bereits fünf nach zwölf.

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