Inhalt:
1. Bonn: Wir sind dabei
2. Gatersleben gentechnikfrei?
3. viele, viele Feldbesetzungen
4. Es kommt: Das gentechnikfreie WOchenende
5. Treckertreck
6. Feldbefreiungsfibel erschienen
7. Mal wieder ein Prozess
8. Spenden

** 1.Bonn: Wir sind dabei bei der Auftaktdemo am 12.5, im
"FeldbesetzerInnendorf" und überhaupt
In Bonn beginnt am Montag, den 12. Mai die sogenannte
"UN-Naturschutzkonferenz". Leider haben die großen Agrarkonzerne eine
andere Vorstellung von "Naturschutz" und "Erhaltung der Vielfalt" als wir.
Sie erreichten z.B. dasa das internationale Abkommen, das sogenannte
Biosicherheits-Protokoll von Cartagena, das in der ersten Kongress-Woche
im Mittelpunkt stehen wird, nicht einmal das Reizwort "Gentechnik"
verwendet…
Viele Umweltorganisationen stellen einen Alternativgipfel und
Vielfalts-Demonstrationen auf die Beine unter dem Motto: "Planet
diversity". Zum Auftakt des Spektakels gibt es am 12. Mai eine
Demonstration in Bonn. Susanne Mähne, eine der Feldbefreierinnen von
Gatersleben, ist als Abschlussrednerin eingeplant.
Auch ein "Feldbesetzerdorf" wird in der Rheinaue errichtet von vielen
Aktiven der letzten Monate. Es wird dort Gelegenheit zu Gesprächen geben
und zahlreiche Workshops, u.a. von Gendreck-weg.

** 2.Gatersleben gentechnikfrei?
Die Verantwortlichen vom IPK in Gatersleben brauchten einige Tage, bis sie
verkündeten: Die Feldbefreiung hat so große Teile des Genweizenversuches
erreicht, dass die geplante Auswertung nicht möglich ist!
Wir freuen uns darüber, denn der Genweizenversuch direkt neben dem
lebenden Saatgutschutz der öffentlichen Genbank ist ein Skandal
sondergleichen.
Die Feldbefreierinnen und Feldbefreier, die am 21. April auf dem
Weizenfeld die manipulierten Pflanzen unschädlich machten, haben sich
schon in die Öffentlichkeitsarbeit gestürzt: Lea empfing ein
ZDF-Fernsehteam auf dem Schloss Tonndorf zum Dreh und fährt demnächst fünf
Tage lang durch Bayern und Baden Württemberg, um über ihre Feldbefreiung
und das bevorstehende gentechnikfreie Wochenende bei Kitzingen zu
informieren. Susanne bereitet ihre Rede für die Demo in Bonn vor und
erstellte zusammen mit Mirjam einen Infoflyer zur Aktion in Gatersleben.
Noch im Mai soll der ergänzt werden um ein Weizen-Saatguttütchen, das
informiert und zur Unterstützung der FeldbefreierInnen motiviert. Mehr zur
Kampagne "Werde WeizenretterIn" gibt es unter www.gendreck-weg.de oder unter
genweizen@gendreck-weg.de. Die FeldbefreierInnen bieten an, als
ReferentInnen auch zu Euch zu kommen. Breite Unterstützung ist ganz
wichtig, denn schon verkündeten die Versuchs-Verantwortlichen, dass sie
einen Schäden in sechsstelliger Höhe zu verzeichnen hätten. Interessant,
dass sie das nun beziffern können, während sie zuvor über den zu
erwartenden Schaden an Tausenden von Weizensorten lieber schwiegen.

** 3.Feldbesetzungen in Gießen, Oberboihingen, Northeim, Groß-Gerau, Bülow,
Forchheim
Das waren wirklich turbulente Wochen gegen die Agrogentechnik! Nach
zahlreichen Protesten unabhängiger Aktionsgruppen in Hessen ist das
Bundesland gentechnikfrei: die Uni Gießen musste ihre Versuche sowohl in
der Stadt Gießen als auch im nahegelegenen Rauischholzhausen aufgeben und
verkündete Ende April, auf dem besetzten Feld in Groß-Gerau keine
Maisversuche mehr durchführen zu können. www.gentech-weg.de.vu
In Northeim lebten zwei Wochen lang Gentechnik-GegnerInnen auf einem Feld
des Saatgut-Konzernes KWS, der schließlich auf verkleinerter Fläche doch
seine manipulierten Zuckerrüben ausbrachte. Heute ist das Maisfeld im
Wendland der letzte besetzte Acker. Die Menschen von Oberboihingen freuen
sich immer noch über ihren Sieg über den umstrittenen Genmaisversuch, die
Felder in Forchheim und Bülow wurden nach kurzer Besetzungszeit geräumt.
Was bleibt: Der offensive Widerstand gegen die Gentechnik lebt und wirkt.
Von fast jedem Ort berichten die Aktiven über große Solidarität aus der
Bevölkerung und zahlreiche Medien haben in Wort und Schrift, mit Fotos und
Filmen berichtet.

** 4.Es kommt: das Gentechnikfreie Wochenende
Konkreter wird es auch mit dem großen Wochenende für GentechnikgegnerInnen
im Juni. Nicht weit von Kitzingen wollen wir unsere Zelte aufschlagen. Auf
dem Programm stehen inhaltliche Workshops, Zeit für den Austausch
untereinander in Aktiven-Workshops, eine spannende Podiumsdiskukssion und
die intensive Vorbereitung des Aktionstages am Ende. Schon über 520
Menschen – und damit mehr als in den Vorjahren – haben ihre Absicht
erklärt, eine Feldbefreiung durchführen zu wollen.
Der Widerstand in Franken gegen die Genmaisfelder ist groß. Von den 120
Hektar, die im Raum Würzburg angemeldet worden waren, sind über die Hälfte
inzwischen zurück gezogen. Das Land Bayern hat beschlossen, in diesem Jahr
doch keine Gentech-Versuche durchzuführen und selbst einige Flächen wieder
abgemeldet. Wir freuen uns sehr über den Widerstand und stehen in einem
erfreulich intensiven Austausch mit den Menschen rund um Kitzingen.

** 5.Treckertreck
Erst war es nur eine "Schnapsidee". Dann begann das Pläneschmieden und die
Suche nach MitstreiterInnen. Jetzt wird es immer wahrscheinlicher, dass es
im Juni eine große Traktoren-Demonstration von Straßbourg nach Kitzingen
geben soll. In Frankreich ist nach massiven Protesten der Genmaisanbau
2008 ausgesetzt, in Baden-Württemberg sind die Bauern bestens vernetzt und
aktiv gegen die Agrogentechnik. Wir freuen uns über die vielfältige
Bewegung!

** 6.Feldbefreiungsfibel erschienen
Klein, aber fein: Nur im Format einer Postkarte, aber 68 spannende Seiten
stark ist die "Kleine Feldbefreiungsfibel", die jetzt frisch gedruckt
vorliegt. Momente des Widerstandes, 10 Argumente gegen die Gentechnik,
Rechtshilfe-Informationen, Links und vieles mehr ist in dem Büchlein zu
finden. Viele farbige Fotos erinnern an die Aktionen der letzten Jahre.
Für 2 Euro plus Porto versenden wir das Büchlein gerne an Interessierte.
Einfach Mail an aktion at gendreck-weg.de

** 7. Am 21. Mai: Berufungsprozess wegen "Aufruf zu Straftaten" am
Landgericht München
Bei diesem Prozess wird ein bereits gefälltes Urteil gegen drei
Aktivist_innen neu verhandelt, das im Zusammenhang mit einer geplanten,
aber nie durchgeführten Feldbefreiung in der Nähe von München an Pfingsten
2006 steht. Wegen "Aufruf zu Straftaten" war gegen 3 MitarbeiterInnen von
Gendreck-weg ein Strafbefehl erlassen worden. Im darauf folgenden Prozess
wurden zwei der Angeklagten (die zu diesem Zeitpunkt verantwortlich für
die Homepage waren) freigesprochen; der dritte Angeklagte wurde zu 50
Tagessätzen verurteilt, weil er unter anderem Flugblätter während einer
Veranstaltung vor Ort verteilt hatte. Gegen das Urteil hat die
Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt.

** 8. Wie immer: Wir wünschen uns Menschen, die die vielfältige
Widerstandarbeit noch vielfältiger machen. Wir freuen uns auch über
Spenden, denn Fibeln und Traktoren, Poster und viele, viele Briefe sowie
etliche Vorbereitungsreisen müssen bezahlt werden. Spendenkonto
Gendreck-weg. Konto-Nr.: 200 2447 200 bei der GLS-Gemeinschaftsbank,
BLZ: 430 609 67

per Email

Von Thorsten Winter

Hält trotz aller Proteste an Tests gentechnisch veränderter Maissorten fest: Forscher Wolfgang Friedt

09. Mai 2008 Seit Jahren kämpft Wolfgang Friedt bei Versuchen mit gentechnisch verändertem Mais mit dem Widerstand von Gentechnik-Gegnern. So hat der Forscher zuletzt Feldversuche in Gießen und Groß-Gerau abgesagt. Nun fordert die linke Mehrheit im hessische Landtag eine gentechnikfreie Landwirtschaft. Dabei bringt Genmais für Bauern und Verbraucher Vorteile mit sich, wie er im folgenden Interview der Rhein-Main-Zeitung sagt.

Gentechnik-Gegner haben im Frühjahr Versuchsfelder der Uni Gießen besetzt und 2007 teilweise verwüstet. Weshalb halten Sie an den Feldversuchen mit gentechnisch verändertem Mais fest?

Weil ich Gentechnik für eine sinnvolle Strategie halte. Ich meine, wir müssen das gesamte methodische Repertoire der Züchtung nutzen, um Nutzpflanzen zu optimieren. Grüne Gentechnik ist aus meiner Sicht eine wertvolle Ergänzung zu den konventionellen Methoden.

Mit Gentechnik können Pflanzen an der einen oder anderen Stelle entscheidend verändert werden, was mit herkömmlicher Züchtung nicht möglich ist.

In Ihrem Fall geht es um eine Maissaat, das ein vom Konzern Monsanto patentiertes Gen in sich trägt, um den Maiszünsler zu vergiften. Warum sollten Bauern diese Sorte anbauen dürfen?

Außer Monsanto arbeiten noch andere Unternehmen an solchen Dingen, etwa Syngenta in der Schweiz. Monsanto hält, das ist richtig, das Patent auf die hier angesprochene genetische Veränderung in dem neuen Saatgut, das im Rahmen von Wertprüfungen getestet werden sollten. Diese neue Eigenschaft kann von anderen Wettbewerbern gegen Lizenzgebühren zur Verbesserung ihrer eigenen Sorten genutzt werden. Aus meiner Sicht ist es ein Vorteil, dass auch andere Züchter den Zugang zu dieser Technologie haben. Das ist auch ein Beitrag zur Sortenvielfalt.

Wie hoch sind denn die Ernteausfälle durch den Maiszünsler-Beifall?

Das hängt vom Standort ab, aber gerade Südhessen mit dem Ried und der gesamte Rheingraben sind besondere Befallsgebiete des Zünslers. Dort ist es zumeist wärmer als andernorts in Deutschland, was den Insekten entgegenkommt. Je wärmer es wird, desto häufiger tritt der Maiszünsler auf und führt zu erheblichen Schäden, die sich in extremen Fällen auf 50 Prozent einer Ernte belaufen können.

Wie bringt der Zünsler das fertig?

Er bohrt den Stängel der Maispflanze an, der dann abbricht.

Das heißt, wenn er unterhalb des Maiskolbens bohrt, ist die Frucht verloren?!

Genau, dann bringt die Pflanze keinen Ertrag. Zudem kann es zu Pilzinfektionen an den Bohrlöchern kommen. Der Pilz wiederum bildet Gifte, die das Erntegut belasten können.

Was hat diese Vergiftung zur Folge?

Nun, in solchen Fällen ist das Erntegut als Futter nicht mehr zu gebrauchen oder beeinträchtigt. Und wenn die Körner zu Lebensmitteln verarbeitet werden sollen, ist das problematisch. Der Einsatz von gentechnisch verändertem Mais ist für die Umgebung und vor allem die Insekten weniger schädlich als das Versprühen von Insektenvernichtungsmitteln beim Zünsler-Befall. Gegen Zünsler resistenter Mais ist unter Umständen weniger mit Pilzgiften belastet als eine herkömmliche Sorte.

Ist das ein Argument, um Genmais Verbrauchern schmackhaft zu machen?

Ich denke schon. Der Genmais selber ist unbedenklich für die Umwelt. Das hat die Zentrale Kommission für biologische Sicherheit im vergangenen Jahr sehr deutlich bekräftigt. Außerdem wird der Einsatz von Insektiziden gegen den Zünsler unnötig – auch das ist ein Vorteil für die Verbraucher.

Nun ist der Monsanto-Genmais in Frankreich und Österreich verboten, die Grünen im Landtag wenden sich gegen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen, und die meisten Verbraucher hierzulande wollen kein „Gen-Food“.

Das stimmt. Das liegt daran, dass sehr wirksame Propaganda gegen die grüne Gentechnik gemacht worden ist und weiter gemacht wird. Das führt so weit, dass der Begriff grüne Gentechnik abgelehnt wird, vielleicht weil er „zu grün“ sei. Gentechnik-Gegner bevorzugen den Begriff Agro-Gentechnik. Den Verbrauchern wird suggriert, mit der grünen Gentechnik seien unwägbare Gefahren verbunden. Und wenn es nicht gelingt, Gefahren konkret zu benennen, wird gerne auf das Restrisiko abgestellt. Nach dem Motto: Wir wissen ja nicht, was in 100 Jahren sein wird. Beim Verbrauchern bleibt ein unbehagliches Gefühl zurück, und viele denken sich, eigentlich brauche ich ja auch keine grüne Gentechnik, denn Lebensmittel gibt es hier ja genug.

In Europa schon, aber anderswo auf der Welt rebellieren Menschen, weil Mais, Reis und Weizen knapp werden und Preise explodieren. Könnte die grüne Gentechnik helfen, indem Ernteerträge in Schwellenländern gesteigert werden?

Davon bin ich hundertprozentig überzeugt. Es scheint so, dass wir beim Flächenertrag herkömmlicher Sorten heute an einem gewissen Limit angelangt sind. Dagegen könnte das Ertragspotential etwa bei Weizen mit Hilfe der Gentechnik möglicherweise noch gesteigert werden. Ich gehöre bestimmt nicht zu denen, die das Potenzial der Pflanzenzüchtung allein in der Gentechnik sehen. Ich sage nur, dass sie in manchen Punkten wirklich weiterhelfen kann. Mit Blick auf die großen Herausforderungen durch Krankheiten und Wasserknappheit etwa.

Haben Sie schon mal Produkte aus gentechnisch verändertem Mais gegessen?

Indirekt auf jeden Fall. Ich esse recht gerne Fleisch, wenn auch nicht in großen Mengen. Ich glaube, da verzehre ich jedes Mal Fleisch, das mit gentechnisch verändertem Soja erzeugt worden ist.

Wieso das?

Weil etwa 80 Prozent der Sojasaat, die weltweit produziert und auch in Europa zu Öl und Schrot verarbeitet wird, vermutlich aus gentechnisch veränderten Pflanzen stammt. Zudem hat die Europäische Union erst im Frühjahr wegen allgemeiner Futtermittelknappheit gentechnisch veränderten Mais als Futtermittel eingeführt, und der ist auch ja sicherlich verfüttert worden.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Franz Möller

Bei der Frage, wie die wachsende Menschheit künftig satt werden soll, sieht sich die Gentech-Industrie als Problemlöser

Mit neuen Argumenten und einer Prise Dialektik bringt sie sich in Stellung.

Wien – Andreas Thierfelder, Sprecher des Gentech-Konzerns Monsanto Agrar Deutschland, ist derzeit in Iowa, USA, unterwegs. Hier werden gerade die Farmer geschult, erzählt er am Telefon. Neue, gentechnisch veränderte Maissorten stehen an, die für Agrarsprit-Produktion besser geeignet seien, weil bei ihnen die "Stärke-Merkmale besser herausgeholt wurden".
Der Monsanto-Manager spricht nicht über Ertragssteigerungen, nicht mehr. Es war dies eines der großen Verheißungen der Gentech-Industrie der Vergangenheit. Der Argumentationswandel hat seinen Grund, wie Steffen Nichtenberger von Greenpeace anhand einer Drei-Jahres-Studie der Universität von Kansas betont. Diese hat ergeben, dass es beim Anbau von Gentech-Soja gegenüber konventionellem Soja-Saatgut zehn Prozent weniger Ertrag gab. "Damit ist das von der Gentech-Lobby gern missbrauchte Argument, gentechnisch verändertes Saatgut könne den Welthunger bekämpfen, widerlegt."

Tatsächlich betonen Vertreter von Industrie und Forschung neuerdings gerne den Terminus "Nachhaltigkeit": Diese auszuweiten – etwa, indem Saatgut gentechnisch gezielt so verändert wird, dass es weniger Wasser braucht – sei einer der Faktoren, mit der die Landwirtschaft effizienter, nachhaltiger werden könne. "Die Herausforderung in der Zukunft wird sein, mit einer etwa gleichbleibenden agrarisch genutzten Fläche eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren", sagt Thierfelder.

Auch das Hauptmerkmal von derzeit verwendetem GVO-Saatgut – Resistenz gegen Schädlinge – sei als "nachhaltig" zu werten. "Die US-Bauern sparen sich jährlich 20.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel bei gentechnisch verändertem Mais, Soja, Raps, Baumwolle." Die Diskussion in Europa bezeichnet Thierfelder als irrational und voll von ideologischen Vorstellungen. Da würden Ängste geschürt, um wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zu entkräften. "Dass es ein Sicherheitsrisiko gibt, ist längst widerlegt."

In Österreich ticken die Uhren anders

Eine schlagkräftige EU-Nahrungsmittelbehörde, die genug Finanzmittel hat, um Industrie-Vorlagen gegebenenfalls Paroli bieten zu können – das wäre auch im Interesse von Monsanto. In Österreich, wo Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky auf EU-Geheiß das GVO-Importverbot (im Wesentlichen auf Saatgut) aufheben muss und stattdessen ein GVO-Anbauverbot gesetzlich verankern will, ticken die Uhren anders. "Es hat hierzulande gar keinen Sinn, in Richtung GVO-Produkte zu forschen, sagt der Biotechnologe Georg Haberhauer von den Austrian Research Centers. "Es gibt in Europa und in Österreich ganz besonders keinen Markt für Lebensmittel aus gentechnisch veränderten Grundstoffen."

Was stattdessen mehr und mehr kommt, und worauf die Seibersdorfer auch setzen, nennt sich "Smart Breeding Technologien". Dabei wird Gentechnologie als Werkzeug begriffen, und dafür gebe es in Österreich auch die nötige Akzeptanz, ist sich Haberhauer jedenfalls sicher. Smart Breeding: Natürliche genetischen Informationen oder zufällige Veränderungen und Variationen, die eine gesuchte Eigenschaft haben, werden dabei mit molekular-biologischen Methoden ausgelesen. Auf diese Eigenschaften wird dann züchterisch gesetzt – ohne Gentechnik-Eingriffe.

Haberhauer spricht davon, dass damit der herkömmliche langwierige Züchtungsprozess beschleunigt werden kann, ja, es komme zu einer "Industrialisierung bei der Züchtung". Für die Fichte wird so etwas derzeit in Seibersdorf gemacht. "Die Fichte muss ja wegen der prognostizierten Temperaturanstiege im Zuge des Klimawandels stressresistenter gegen Hitze werden". Die Agrarsprit-Diskussion, und ob die grüne Gentechnik bei der Verspritung von Pflanzen tolerabel sei, "stellt sich mit Smart Breeding erst gar nicht".

 (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11./12.5.200 8)

9. MAI 2008 | 08:26 | BRÜSSEL, WIEN
Die EU-Entscheidung, dass Österreich sein Importverbot für Genmais aufheben muss, ändert vorerst nichts in der Praxis. Dennoch wechselt die Regierung ihre Strategie.

Stecken in unserem Müsli demnächst Flocken aus gentechnisch verändertem Mais? Forscher sollen nun Auswirkungen von Gentech-Food prüfen. Bild: SN/www.bilderbox.com

BRÜSSEL, WIEN (SN). Die Anordnung der EU-Kommission, dass Österreich sein Importverbot für zwei gentechnisch veränderte Maissorten aufheben muss, ändert in den heimischen Supermärkten oder Ställen vorerst gar nichts. An den Selbstbeschränkungen des heimischen Handels und der Futtermittelindustrie wird dadurch, wie berichtet, nicht gerüttelt. Am bestehenden Anbauverbot, das zusätzlich durch Vorsorgegesetze der Länder abgesichert ist, ändert der EU-Entscheid auch nichts.

Österreich wird sich gegen die Zulassung der beiden Genmaissorten auch nicht quer legen. „Das war eine Güterabwägung“, sagte Ulrich Herzog, Bereichsleiter im Gesundheitsministerium. Österreich könnte sonst künftig auf weniger Entgegenkommen durch die Brüsseler EU-Behörde zählen. Eine Klage vor dem EuGH würde außerdem nichts an den Problemen ändern, die die EU mit den USA, Kanada und Argentinien bei der Welthandelsorganisation WTO hat. Diese drohen mit milliardenschweren Strafzöllen. Die WTO verurteilte die schleppenden EU-Zulassungen 2006 als unrechtmäßig.

Die Regierung änderte nun ihre Strategie. Bisher wurde vor allem das EU-Zulassungsverfahren kritisiert. Dazu kamen die nationalen Importverbote. Für drei Rapssorten von Bayer sowie eine Maissorte von Monsanto forderte der Gesundheitsausschuss im Nationalrat am Donnerstag auf Antrag der Grünen einstimmig einen Einfuhrbann durch Ministerin Andrea Kdolsky (ÖVP). Außerdem sind nach einer 2003 beschlossenen EU-Richtlinie Importverbote durch einzelne EU-Länder künftig nicht mehr zulässig. „Wir sind damit eine Zeit lang gut gefahren, aber die Argumente reichen nicht mehr“, sagte Herzog. Daher will das Gesundheitsressort nun auf gesetzlicher Grundlage einen wissenschaftlichen Beirat einrichten. Das Gremium soll wissenschaftlich beurteilen, welche Studien Österreich in Auftrag geben soll, um künftig gegen Gentechnikpflanzen in der EU besser argumentieren zu können.

Österreich ist keine gentechnikfreie Landwirtschaftsinsel. Ein Großteil des importieren Sojafutters für Schweine stammt aus einer gentechnisch veränderten Sorte. Das Fleisch von Tieren, die damit gemästet wurden, muss aber nicht gekennzeichnet werden. EU-weit zugelassen sind für Futter- und Nahrungsmittel 26 Sorten, die Hälfte davon Mais sowie fünf Baumwollarten, drei Rapssorten sowie Soja und Zuckerrüben. Den Maisbedarf deckt Österreich weitgehend selbst. Die einzige Genmaissorte, die in Europa großflächig angebaut wird, ist MON810 des US-Konzerns Monsanto.

gefunden bei: Salzburg im Internet (Ö)

Zum Bonner Naturschutzgipfel berichtet derkanadische Farmer über seinen Kampf gegen Monsanto.

Von Angelika Hillmer

Raps gehört zu der Familie der Kreuzblütler (auch Kohlgewächse genannt) und ist mit Radieschen, Senf, Rettich, Kresse und verschiedenen Kohlsorten verwandt. Inwieweit sich gentechnische Erbinformationen auf die Verwandtschaft und auf Wildformen übertragen können, ist umstritten. Foto: DPA

Er ist 77 Jahre alt und kommt geradewegs aus Kanada nach Hamburg-Altona: Trotz Jetlag und Langstreckenflug sprüht Percy Schmeiser vor Energie, wenn er von seinen Erfahrungen mit dem Gentechnikkonzern Monsanto erzählt. Dieser hatte ihn im Jahr 1998 auf 400 000 Kanadische Dollar (260 000 Euro) Schadenersatz verklagt, nachdem die von Monsanto patentierte Gentech-Rapssorte "Canola Roundup Ready" 1997 als Verunreinigung in Schmeisers konventionellem Rapsfeld aufgetaucht war und der Farmer dafür keine Lizenzgebühren zahlen wollte. Die Klage gab den Startschuss für den Feldzug David gegen Goliath, Schmeiser kontra Monsanto.
"Im vergangenen Jahr waren meine Frau Louise, heute 76 Jahre alt, und ich zehn Monate in der Welt unterwegs, um vor der Gentechnik in der Landwirtschaft zu warnen", erzählt Schmeiser. Dass er gerade jetzt mal wieder durch Deutschland tourt, ist kein Zufall: Am Pfingstmontag treffen sich 2000 Delegierte aus rund 150 Staaten in Bonn, um über das Protokoll zur Biologischen Sicherheit zu verhandeln. Es regelt den Umgang mit Risiken des internationalen Handels mit gentechnisch veränderten Organismen, ein Abkommen im Rahmen der Uno-Konvention zur Biologischen Vielfalt. Deren 191 Vertragsstaaten treffen sich eine Woche später am Rhein.
Im Vorfeld der Konferenzen verkündet Schmeiser von Hamburg bis Straubing, Bonn bis Dresden seine immer gleiche Botschaft: "In Kanada gibt es kein Raps-Saatgut mehr, das nicht gentechnisch verunreinigt ist. Dasselbe gilt für Soja. Als die transgenen Sorten 1996 erstmals auf die Äcker kamen, hat uns niemand davor gewarnt. Heute wissen wir: Wenn gentechnische Pflanzen erst einmal ausgesät sind, findet man sie oder ihre Gen-Konstrukte bald überall. Hier in Europa habt ihr noch die Wahl, euch gegen Gentechnik zu entscheiden. Und ihr könnt im Nachhinein nicht sagen, ihr hättet nichts gewusst."
Der kanadische Bauer engagiert sich seit Jahrzehnten politisch, war Mitglied des Parlaments der Provinz Saskatchewan im Westen Kanadas und Bürgermeister seiner Heimatstadt Bruno. Doch seit 1998 bestreitet er die Kampagne seines Lebens - und ist stolz auf das Erreichte: "Meine Frau und ich hätten niemals gedacht, dass wir so viel bewegen könnten."
Der Angriff durch Monsanto war heftig. Eine Schadenersatzforderung von mehreren Hunderttausend Dollar ist für viele Farmer der Untergang. Es kam zu einem Prozessmarathon, das 2004 vor dem obersten kanadischen Gericht endete. Es entschied, dass Schmeiser zwar keinen Schadenersatz zu zahlen hatte, bestätigte aber zugleich, dass das Patent von Monsanto in solchen Fällen greift. Schmeiser: "Für den Farmer bedeutet das: Wenn sein Feld auch nur zu einem oder einem halben Prozent mit Gentech-Raps kontaminiert ist, geht die gesamte Ernte, die Pflanzen und das Saatgut in den Besitz von Monsanto über."
Das Gericht begründete seine Sichtweise damit, dass die Gentech-Varianten auf dem Feld nicht von den konventionellen Sorten zu unterscheiden seien - "für Bienen übrigens auch nicht", fügt Schmeiser verschmitzt hinzu. Er ging 2005 zum Gegenangriff über. Damals fand er erneut Monsanto-Raps auf seinen Feldern und verlangte vom Konzern, die Verunreinigung zu beseitigen. Schließlich ließ er die Fremdlinge selbst vernichten und reichte die Rechnung über 660 Dollar bei Monsanto ein. Kurz vor einem Prozesstermin willigte der Konzern ein, die Kosten für die Beseitigung tragen. "Ich fühle mich jetzt wirklich wie ein Gewinner. Denn dies bedeutet, dass die Gentechnik-Vermarkter oder -Anwender für die Verunreinigung haftet und die betroffenen Bauern nicht auf dem Schaden sitzen bleiben. Das gilt vor allem für Bio-Landwirte, die nur gentechnikfreie Ware verkaufen können."

Percy und Louise Schmeiser sind längst menschliche Aushängeschilder im Kampf gegen die Gentechnik, erhielten 2007 für ihr Engagement den Alternativen Nobelpreis. Unermüdlich reisen die Eheleute um die Welt. "Das Schlimmste ist, dass wir so oft von unserer Familie getrennt sind", sagt Schmeiser, Vater von fünf Kindern, 15 Enkeln und einem Urenkel. Viele Familienmitglieder seien im Landwirtschaftsbereich aktiv, aber niemand ist Farmer.

Er habe sein Land inzwischen verpachtet. Bis auf einen "kleinen Teil" (75 Hektar), den er selbst noch beackert, sagt. Schmeiser. "Am 23. Mai sind wir wieder zu Hause. Dann wird ausgesät." Allerdings wird auf seinem Boden kein Raps mehr wachsen. Den baut Schmeiser bereits seit 1998 nicht mehr an.

Die Konferenz zum Biosafety-Protokoll (12.-16.5.) live im Internet (engl.): www.cbd.int

gefunden bei: Hamburger Abendblatt

Hamburg (DK) Mit einem Eilantrag beim Braunschweiger Verwaltungsgericht wollen die Umweltorganisation Greenpeace und zahlreiche Imker den Anbau des Genmais MON810 in Deutschland stoppen. Das Saatgut des US-Großkonzerns Monsanto ist umstritten, mehrere europäische Länder haben den Anbau verboten. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hatte den Handel im Frühjahr 2007 verboten, im Dezember jedoch wieder zugelassen, nachdem der Agrarkonzern einen Umweltbeobachtungsplan vorgelegt hatte. Dieser wurde jedoch vom Bund Naturschutz und anderen Umweltorganisationen als nicht fundiert genug kritisiert. Greenpeace wirft Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) nun vor, mit der erneuten Zulassung "den Weg für den Genmais in Deutschland geebnet" zu haben. Für Barbara Kamradt von Greenpeace ein "unverantwortliches Handeln". Mit der Gentechnik-Expertin hat unsere Redakteurin Katrin Fehr gesprochen.

Gibt es denn schon Reaktionen auf Ihren Eilantrag vom 2. Mai
Kamradt: Bisher noch nicht. Das Gericht prüft den Antrag.

Was sind die konkreten Kritikpunkte gegenüber Seehofer und dem BVL
Kamradt: Dass ihnen der völlig unzureichende Beobachtungsplan von Monsanto ausgereicht hat, um den Handel mit MON810 wieder zuzulassen. Im Frühjahr befürchtete die Behörde noch, dass der Anbau von MON810 eine Gefahr für die Umwelt darstelle. Ein von uns in Auftrag gegebenes wissenschaftliches Gutachten belegt, dass der Plan von Monsanto auf belanglosen Angaben und falschen Daten basiert. Er enthält keine Beweise dafür, dass MON810 unschädlich ist und keine Gefahr für die Umwelt darstellt. Entweder haben die Mitarbeiter von Horst Seehofer all diese Unzulänglichkeiten nicht bemerkt, oder sie haben sie wissentlich ignoriert. Nun müssen die Gerichte tätig werden, um die Umwelt vor Schaden zu bewahren.

Das BVL und Horst Seehofer haben dem Monitoring von Monsanto Glauben geschenkt. Was hat Ihre Studie darüber konkret ergeben
Kamradt: Monsanto gibt 32 angebliche Feldstudien an. Bei zwölf Angaben handelt es sich allerdings nicht um Feldstudien, und fünf weitere untersuchen Gen-Baumwolle. Sechs Studien untersuchen Ökosysteme, Tierarten und landwirtschaftliche Räume außerhalb Europas. Die Erkenntnisse lassen sich kaum auf die heimischen Ökosysteme übertragen. Außerdem werden mögliche Schäden bei anderen Tierarten wie Vögeln, Schmetterlingen, Wasserlebewesen oder auch Bienen nicht berücksichtigt. Monsanto schließt daraus, dass es keine Gefahr gibt, und es deshalb auch keine gezielte Überwachung geben muss. Stattdessen gibt es einen sehr allgemeinen Fragebogen für Landwirte, der keine Auskünfte zu möglichen Auswirkungen des Genmais auf die Umwelt geben kann, ergänzt durch die Auswertung von Daten bestimmter Umweltüberwachungsprogramme, auch Netzwerke genannt, die jedoch nicht auf die Beobachtung der Auswirkung von Genpflanzen ausgerichtet sind. Einige der Träger dieser Programme haben sich klar von diesem Plan distanziert.

Kann es sich Monsanto leisten, Ergebnisse von angeblichen Feldstudien abzuliefern
Kamradt: Bei der derzeitigen Prüfungspraxis kann sich Monsanto das offensichtlich politisch leisten. Deshalb gehen wir nun gerichtlich gegen den Anbau vor. MON810 steht in der EU auch zur Wiederzulassung an. Dann wird sich zeigen, ob die Behörden weiterhin so lax mit der Sicherheit der Umwelt umgehen. Auf der Grundlage neuerer Erkenntnisse darf dieser Genmais nicht wieder zugelassen werden. Erst vor zwei Tagen hat die EU Komission zwei ähnlichen Genmais-Pflanzen die Zulassung verweigert und sie zur erneuten Prüfung an die Europäische Sicherheitsbehörde EFSA zurückgewiesen. Die Prüfungsstandards sind allerdings bislang völlig unzureichend.

Welche Gefahren befürchten Sie durch den Anbau von MON810
Kamradt: Dieser Mais produziert sein eigenes Insektengift, das sogenannte BT-Gift, das auf einen Maisschädling, den Maiszünsler, tödlich wirken soll. Das BT-Gift wird in allen Pflanzenteilen und auch Pollen produziert und permanent an die Umwelt abgegeben – über den Pollen auch über weite Strecken. Er birgt daher Gefahren für die Umwelt. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass sich der Genmais negativ auf Tiere wie Bienen, Schmetterlinge, Spinnen, Schlupfwespen und Florfliegen sowie auf Bodenorganismen wie Regenwürmer auswirken kann.

Was werden Sie tun, wenn dem Eilantrag nicht stattgegeben wird?
Kamradt: Wir werden überlegen, ob wir ins Hauptsacheverfahren gehen. Wir werden weiter gegen den Anbau vorgehen. Wir haben stichhaltige Argumente. Tatsache ist doch, dass es viele offene Fragen gibt. Und je länger man hinschaut, um so mehr Fragen tun sich auf.

Donaukurier

Wie man von den wirklich Verantwortlichen ablenkt

Von Karl Weiss

Die Lebensmittelpreise steigen und die Suche nach den Verantwortlichen hat begonnen. Allenthalben kann man hören und lesen: Der Biosprit (Alkohol als Benzinersatz und Biodiesel als Diesel-Ersatz) sei für die gestiegenen Lebensmittelpreise verantwortlich. Im Auftrag oder im Interesse gewisser Konzerne wird das Märchen erzählt, die (bisher noch gar nicht ernsthaft eingeleitete) Umstellung von fossilen auf erneuerbare Energien sei der Grund für die (bereits heftig stattfindende) Erhöhung der Verkaufspreise von Lebensmitteln, vor allem von Grundnahrungsmitteln wie Reis, Weizen, Bohnen, Soja usw. Wie kann es sein, dass zukünftige, noch in Planung befindliche Aktionen in den vergangenen Monaten Preise getrieben haben könnten?

Die Großkonzerne der Energieerzeugung, der Ölindustrie und der Automobilindustrie sind intensiv daran interessiert, dass bezüglich der Verwendung von fossilen Energiequellen (Kohle, Erdgas, Erdöl) alles beim Alten bleibt und Energiegewinnung und Transport auf der Verbrennung dieser Stoffen beruhen. Das – so stellt sich das für einen Manager aus diesen Industriezweigen dar – garantiert die Monopolstellung dieser Konzerne und damit ihren Monopolprofit. Sie haben zwar nichts gegen ein paar kleine alternative Versuchsanlagen, mit denen man die öffentliche Meinung zu beruhigen sucht, aber wirklich umstellen, nicht daran zu denken!

Da nun aber die Klimakatstrophe aufgrund der globalen Erwärmung, verursacht durch eben jene Verbrennung, bereits ihre ersten Anzeichen sehen lässt (Birma-Myanmar lässt grüßen), brauchen sie eine umfangreiche Propagandamaschinerie, um gegen alternative Energien vorzugehen. Speziell zu diesem Zweck halten sie sich Organisationen, bezahlen Wissenschaftler, Nicht-Regierungs-Organisationen und setzen grosszügige Medienanzeigen, um „im redaktionellen Umfeld“ entsprechende Sendungen und Artikel zu finden.

Eines der wichtigsten Ziele ihrer Konter-Propaganda sind dabei die Bio-Sprit-Planungen. Um diesen den Garaus zu machen, müssen schwere Geschütze aufgefahren werden, sonst bestünde die Gefahr, dass man bald weniger von seinen nun unschlagbar profitablen Hauptprodukten Benzin und Diesel absetzt. Man stelle sich vor, die Kosten der Herstellung sind fast die gleichen wie bei einem Rohölpreis von 62 Dollar pro Barrel vor drei Jahren und jetzt kann man sich mit den gleichen Kosten auf einen von 120 Dollar pro Barrel beziehen – und das ergibt alles reinen Profit! Da bleibt natürlich Geld für ausgebiebige Propagandamassnahmen übrig.

Da ergab es sich nun, dass seit einigen Monaten die Preise von Lebensmitteln steigen, speziell Grundnahrungsmitteln – und das zum Teil massiv! Was liegt da näher als zu behaupten, die Biosprit-Pflanzen hätten Agrarflächen gestohlen und dadurch diese Preissteigerungen verursacht?

Und schon beginnt die Propagandamaschine zu rotieren. Seit Wochen werden wir nun von verschiedenen Seiten mit dem Märchen beglückt, der Biosprit sei an Lebensmittelpreis-Steigerungen schuld. Eine der ersten Stellen, die dies behaupteten, war die UN-Organisation für Nahrungsmittelsicherheit. Nur hat man vergessen zu sehen, dass sich die UN fest im Griff der Regierung der Vereinigten Staaten und der von ihr repräsentierten Konzerne befindet. Also kein Wunder, dass gerade sie den Vorreiter im Märchenerzählen machten.

Als Nächstes hörte man Ähnliches vom Internationalen Währungsfond, ebenfalls eine Organisation unter vorwiegendem US-Einfluss. Dann kamen scheinbare Umweltschutz –NGOs (Non-governamental organizations) wie Greenpeace und „Rettet den Regenwald“, um ins gleiche Horn zu stossen. Bei beiden Organisationen scheint es sich um kapitalistische Unternehmen zu handeln, die aus dem Umweltschutz ein Geschäft gemacht haben.

Man braucht nur einmal die Web-Sites der beiden Organisationen ansehen, da wird viel von allen Möglichen Aktivitäten berichtet, aber es wird an keiner Stelle gesagt, wie sich all dies finanziert. Beide behaupten nicht einmal, sie würden sich nur aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden von Privatpersonen finanzieren. Nicht eine Rechnungslegung über Geldeingänge und -ausgänge ist zugänglich. Da darf man vermuten, es gibt da etwas zu verbergen.

Natürlich belegt dieses Zusammenkommen von Aktivitäten im Sinne bestimmter Konzerne mit dem Vorhandensein von offenbar gut fließenden Mitteln noch nicht, dass die beiden Organisationen an der finanziellen Leine solcher Großkonzerne hängen. Es ist auch möglich, dass man aus Unkenntnis handelt und sich übertölpeln hat lassen.

Doch damit nicht genug, nun kommen auch „Wissenschaftler“ ins Spiel, die sich bekanntermassen besonders leicht gegen geringe „Unterstützung“ vor den Karren von Grosskonzernen spannen lassen. Da wird zum Beispiel „wissenschaftlich“ nachgewiesen, dass der Energieverbrauch (mit CO2-Ausstoss) für die Herstellung von Biodiesel aus dem Anbau von Raps, Palmöl oder Soja oder für Alkohol aus Mais höher ist als die Energiemenge (ohne CO2-Ausstoss), die gegenüber fossilen Rohstoffen eingespart würde. Dabei hat man nur „aus Versehen“ vergessen, die Energiemengen abzuziehen, die von den vorher auf jenen Feldern angebauten Pflanzen verbraucht wurden (die natürlich im wesentlichen genauso gross sind wie die von Raps, Palmöl, Soja und Mais).

Eine andere Untersuchung belegt bis ins kleinste, dass der Schaden bezüglich der globalen Erwärmung, den ein Sojafeld im Amazonasurwald anstellt, höher ist als der Vorteil, der sich aus dem geringeren CO2-Ausstoss bei seiner Verbrennung als Bio-Diesel ergibt. Diese letzte „wissenschaftliche Erkenntnis“ hat sich in einer Zeitschrift „Science Magazin“ versteckt, was so ähnlich klingt wie die renommierte „Science“. Selbstverständlich ist diese „ Erkenntnis“ eine Binsenweisheit.

Allerdings hat sich bisher noch kein Wissenschaftler gefunden, der wirklich ernsthaft behauptet hätte, es gäbe irgendeinen wissenschaftlichen Nachweis für einen Zusammenhang von Biosprit mit Lebensmittelpreiserhöhungen. Na, man kann erwarten, auch dafür findet sich noch irgendein verdrehtes Argument.

Was hat wirklich die erhöhten Lebensmittelpreise verursacht?

1. Der Hauptgrund sind die massiven Agrarsubventionen, mit denen Europa, die Vereinigten Staaten und Japan ihre inländischen Grossagrarier beglücken, was dazu führt, dass Riesenmengen von subventionierten Agrarprodukten zu Preisen auf den Weltmarkt geworfen werden, die für alle Außerhalb dieser Länder den entsprechenden Anbau unrentabel machen. Dadurch haben die Bauern in vielen Ländern, vor allem Entwicklungsländern, aufgeben müssen und landwirtschaftlich nutzbare Fläche brach liegen gelassen.

a. Würden die Agrarsubventionen eingestellt, könnten Hunderte von Millionen von grossen und kleinen landwirtschaftlichen Anwesen in aller Welt wieder beginnen anzubauen und zu ernten und es würde sich ein internationaler Preis von Grundnahrungsmitteln einpendeln, der den Bauern ein Auskommen und den Verbrauchern Versorgungssicherheit bietet.

b. Gleichzeitig könnten die landwirtschaftlichen Betriebe in den entwickelten Ländern lernen, wie man Biogas aus Pflanzen, Pflanzenteilen, tierischen Exkrementen und Holz herstellt und damit Generatoren für Strom und Kessel für Dampf bzw. Warmwasser betreibt (siehe auch diese Artikel: http://karlweiss.twoday.net/stories/2763409/ und http://karlweiss.twoday.net/stories/2651700/ ), die gleichzeitig die Strom- und Wärmeprobleme dieser Länder lösen und sie weniger von importierten Rohstoffen abhängen lassen. Dazu hätte die Landwirtschaft in diesen Ländern wieder eine Aufgabe, ohne am Tropf von Subventionen zu hängen.

2. Der zweite Grund für gestiegene Lebensmittelpreise ist eine erhöhte Nachfrage, die sich vor allem durch die wirtschaftlichen Aufschwünge in den Schwellenländern (hauptsächlich China und Indien) ergeben hat. Es wurden dort Hunderte von Millionen von Menschen aus der absoluten Armut geholt, was sie zu Konsumenten von mehr und höherwertigen Nahrungsmitteln machte.

3. Der dritte Grund ist die extreme Ausweitung der Viehhaltung überall auf der Welt. Vieh ist Konkurrent für den Menschen bezüglich der Nahrung. Rinderfutter zum Beispiel wird regelmässig mit Mais und anderen Korn-Arten angereichert. Hühnerfutter ist praktisch identisch mit den menschlichen Grundnahrungsmitteln. Die Ausweitung hat dazu geführt, dass Mengen, die für die menschliche Ernährung zur Verfügung standen, nun verfüttert werden. Der Viehbestand auf der Erde hat sich in den letzten hundert Jahren in etwa verhundertfacht. Davon fällt ein guter Anteil auf die letzten 20 Jahren.

4. Ein vierter Grund ist die Internationalisierung der Preisbildung von Grundnahrungsmitteln durch die wachsende Bedeutung von Nahrungsmitteln an den Commodity-Börsen in London und Chicago und die damit verbundene Einbeziehung der Preise in Prozesse von Spekulation und „Future“-Kontrakte. Die Heerschar von Finanz-Spekulanten, die sich aus dem Immobiliengeschäft wegen der dortigen Krise zurückziehen musste, suchte neue Felder und ging teilweise in die Spekulation in Grundnahrungsmitteln.

5. Ein fünfter Grund ist die starke Konzentration in der Lebensmittelindustrie und bei den Agrar-Handels-konzernen. Nestle und Unilever machen heute wesentliche Teile des Marktes von industrialisierten Lebensmitteln unter sich aus. Bei den Handelskonzernen haben einige wenige, wie zum Beispiel Cargill, eine Marktmacht errreicht, die ihnen das Diktieren von Preisen ermöglicht. Stiegen die Lebensmittelpreise bereits an, so ist man auf den fahrenden Zug gesprungen und hat sich einen kräftigen Schluck aus der Pulle gegönnt. Man braucht nur die Profitentwicklung dieser Konzerne verfolgen und hat schon ein deutliches Anzeichen, wohin ein Teil der Gelder der höheren Preise geflossen sind.

6. Ein weiterer Grund für die Lebensmittelpreis-Erhöhungen ist der steil gestiegene Erdölpreis. Praktisch alle Aufbereitungs- und Verpackungsprozesse für Lebensmittel und ihr gesamter Transport sind in den Kosten abhängig vom Erdölpreis und verteuerten die Produktion.

7. Ein weiterer Grund sind die genveränderten Nahrungsmittel. Speziell beim Mais hat sich die Monopolisierung durch den Gen-Mais von Monsanto hauptsächlich in den USA, aber auch in anderen Ländern, in deutlichen Kosten- und damit Preissteigerungen bemerkbar gemacht. Fast alle Maisanbauer, ob sie Monsanto-Mais verwendeten oder nicht, hatten wesentliche Anteil von Genmais auf ihren Feldern, weil der Gen-Mais sich durch Samenflug in andere Pflanzungen ausweitete. Monsanto weist dann mit Mustern nach, dass dort (auch) Gen-Mais wächst, zwingt den jeweiligen Anbauer gerichtlich zu Lizenzzahlungen und lässt ihm ausserdem verbieten, einen Teil der Ernte zur Aussaat zurückzuhalten. Das Saatgut muss er vielmehr von Monsanto kaufen. Dies hat zu deutlichen Preiserhöhungen für Mais geführt.

Was keinen Grund für Lebensmittelpreiserhöhungen darstellt, ist der angebliche Bio-Sprit-Boom, den es aber in weltweitem Ausmass noch gar gibt.

Schon aus diesem Grund ist der Zusammenhang der beiden Dinge nicht gegeben, weil ein Bio-Sprit –Boom überhaupt (noch) nicht stattfindet.

Ausser in Brasilien gibt es überhaupt keine ins Gewicht fallende Verwendung von Bio-Sprit. In Brasilien wird in grossen Umfang bisher lediglich Alkohol als Benzin-Ersatz eingesetzt und dieser Alkohol ist ausschliesslich aus Zuckerrohr gemacht. Zucker ist eines der wenigen Nahrungsmitteln, die keine Preiserhöhung erlitten haben, also könnte man polemisch die These aufstellen, Bio-Sprit würde sogar die Lebensmittelpreierhöhung verhindern.

Aber was die Wahrheit ist, beide Dinge haben nichts miteinander zu tun.

Das Bio-Diesel-Programm in Brasilien ist noch in den Anfängen und hat daher noch keine wirklichen Auswirkungen auf „Beschlagnahme“ von Ackerbauflächen gehabt.

Außerhalb Brasiliens gibt es es nur eine nennenswerte Aktivität in Bezug auf Bio-Sprit, das ist das Alkohol–aus-Mais-Programm in den USA. Tatsächlich gibt es keinen vernünftigen Grund, Alkohol ausgerechnet aus Mais herzustellen, speziell, wenn man nur die Maiskörner verwertet und nicht die ganze Maispflanze. In Brasilien wird in den modernen Fabriken das ganze Zuckerrohr verwendet, nicht nur die aus dem Rohr gepresste Sirup-Masse. Das führt auch dazu, dass das früher übliche Abbrennen der Zuckerrohrfelder jetzt immer mehr zurückgeht. Aber unabhängig davon ist es unwahrscheinlich, dass eine relativ kleine Menge von Bio-Alkohol aus Maiskörnern den weltweiten Maispreis beeinflußt, wenn die in Bio-Sprit umgewandelte Menge nicht einmal 1% der weltweiten Mais-Ernte betrifft.

Ansonsten gibt es nur noch kleinere Biosprit-Aktivitäten in Schweden, in Deutschland (Bio-Diesel aus Raps) und in Frankreich, die aber allesamt nicht einmal einen Tropfen auf den heissen Stein darstellen. Aus Weizen und Reis, den beiden wichtigsten Produkten mit heftigsten Preissteigerungen und besonderer weltweiter Bedeutung für die Ernährung der Massen von Menschen, wird nirgendwo in erwähnenswerten Mengen Bio-Sprit hergestellt.

Es gibt noch geringfügige Mengen von Bio-Alkohol, die aus Zuckerrüben hergestellt werden, aber – wie bereits gesagt – der Zuckerpreis ist ja gerade nicht angestiegen.

Mit anderen Worten: Der Bio-Sprit-Boom, wenn er denn kommen sollte, hat noch nirgends begonnen (ausser beim Alkohol in Brasilien). Er kann also nicht im Zusammenhang mit Preiserhöhungen stehen, die bereits stattgefunden haben.

Viel bunter wird es noch, wenn behauptet wird, die Vernichtung (Abholzen, Abbrennen) von Regenwaldflächen stünden im Zusammenhang mit Bio-Sprit. So wird argumentiert, in Brasilien würde massiv in Regenwaldflächen hinein das Pflanzen von Soja ausgeweitet und das hätte irgendetwas mit Bio-Sprit zu tun. Tatsächlich werden Monat für Monat die Flächen der Vernichtung von Amazonas-Regenwald erhöht und auf vielen dieser Flächen Sojapflanzen angebaut, aber das ist völlig unabhängig von Bio-Sprit. Man kann zwar theoretisch aus Sojaöl Bio-Diesel herstellen, nur wird das bisher so gut wie nicht getan. Die kräftig gestiegenen Weltmarktpreise für Soja dagegen haben sehr viel mit dieser beschleunigten Regenwaldvernichtung zu tun.

Insofern ist die Oben beschrieben „wissenschaftliche Arbeit“ natürlich Unsinn. Selbstverständlich darf für Bio-Sprit kein Regenwald vernichtet werden, denn der ist noch viel wichtiger für das Klima als die Umstellung auf nicht-fossile Brennstoffe. Aber das findet ja eben gar nicht statt.

Weiterhin wird das Märchen erzählt, die Soja-Felder in Brasilien würden in die Regenwald-regionen hinein ausgedehnt, weil sie in anderen Landesteilen von Zuckerrohranbau für Bio-Alkohol verdrängt würden. Auch das ist Unsinn. Nirgends in Brasilien wurden Zuckerrohr-pflanzungen auf Flächen angelegt, auf denen vorher Soja angebaut wurde. Der verstärkte Zuckerrohr-Anbau wird vielmehr auf brachliegenden Flächen durchgeführt und auf solchen, die zur extensiven Viehhaltung genutzt wurden nach dem Motto eine Kuh auf 10 Quadratkilometer. Solche Flächen sind noch in riesigem Umfang in Brasilien vorhanden. Brasilien könnte seinen Zuckerrohranbau ohne Schwierigkeiten verdoppeln, ohne auf einem einzigen Hektar Ackerfläche andere Nutzpflanzen zu verdrängen.

Ein anderes verdrehtes Argument ist das mit dem Palmöl. In Indonesien werden riesige Regenwaldflächen abgeholzt und in millionenschwere Holzgeschäfte umgewandelt unter dem Vorwand, dort Palmöl-Plantagen anlegen zu wollen. Angeblich würde dieses Palmöl zur Bio-Diesel-Herstellung verwendet. Nur gibt es überhaupt keine ins Gewicht fallende Herstellung von Bio-Diesel aus Palmöl auf der Welt. Auch hier muss wieder der Bio-Sprit als Sündenbock herhalten, um von den Verantwortlichen und ihren hohen Profiten abzulenken.

Tatsächlich ist angesichts des extrem niedrigen Preises von Palmöl (Palmöl ist das bei weitem billigste Fettöl) jemand auf die Idee gekommen, man könne Palmöl als („umweltfreundlichen“) Brennstoff für Heizkessel verwenden und es soll auch in kleinem Mengen dafür eingesetzt werden, aber das ist eine Sonderbewegung, die allerdings wirklich abzulehnen ist – vor allem, weil bei der Verbrennung von Fettölen das krebserregende Acrolein entsteht. Nur kann das nicht mit der Bio-Sprit–Frage in Zusammenhang gebracht werden.

Nun gibt es eine etwas verschwurbelte Argumentation, es ginge gar nicht um die Produkte, sondern um die gesamte weltweite Agrarfläche, die bereits zum Teil von Bio-Sprit-Pflanzen beansprucht wurde und daher seien die Preiserhöhungen aus Mangel an bebaubarem Ackerland zustande gekommen.

Das ist allerdings ebenfalls absurd: In Wirklichkeit liegen riesige Flächen bebaubaren Ackerlandes weltweit brach. Dazu werden Nahrungsmittel in grossen Mengen vernichtet, um die Preise zu stützen.Würde überall angebaut, wo es möglich ist, und würde die Vernichtung von Nahrungsmitteln verboten, könnten Lebensmittel für 12 Milliarden Menschen hergestellt werden, während wir bisher „nur“ 6,5 Milliarden sind.

Es muss vielmehr andersherum gefragt werden, warum soviel Ackerland brach liegt, vor allem in den Entwicklungsländern. Die Antwort steht bereits oben: Die Agrarsubventionen von Europa, USA und Japan haben die Preise für Roh-Nahrungsmittel so ruiniert, dass sich nur noch in wenigen Ländern und unter besonderen Umständen der Anbau von Ackerpflanzen lohnt. Die reichen Länder nehmen mit ihren Agrarsubventionen den Armen auf der Welt das Brot oder den Reis vom Teller!

Veröffentlicht: 9. Mai 2008 in der Berliner Umschau

Österreich muss sein Importverbot für zwei Gentech-Maissorten sofort aufheben. Das beschloss die EU-Kommission in Brüssel. Es handelt sich um Produkte von Monsanto (MON810) und von Bayer (T25).

(sda) Diese hatte Österreich unter Verweis auf den Gesundheitsschutz seit 1999 verboten. Österreich schaffte es im vergangenen Oktober nicht, bei den anderen EU-Staaten genügend Unterstützung für die Aufrechterhaltung des Verbots zu finden.

Weigert sich die Regierung in Wien, die Verbote aufzuheben, drohen rechtliche Konsequenzen. Hintergrund des Entscheides der EU-Kommission ist ein Verdikt der Welthandelsorganisation (WTO) gegen wissenschaftlich nicht begründete Handelsschranken von Gentechprodukten in der EU.

Andere anstehende Zulassungsentscheide zu Gentech-Gesuchen wies die EU-Kommission nach einer Grundsatzdebatte zur Überprüfung der Sicherheit an die EU-Lebensmittelbehörde EFSA zurück, wie der Sprecher der EU-Kommission sagte. Darunter sind insbesondere vier Produkte mit einem Antibiotikaresistenz-Gen.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse sollen auch über die Gentech-Maissorten des Basler Agrokonzerns Syngenta und Pioneer überprüft werden. EFSA solle die möglichen Folgen eines Anbaus der Gen-Pflanzen für Gesundheit und Umwelt weiter untersuchen, erklärte der Sprecher.

Der österreichische Landwirtschaftsminister Josef Pröll bedauerte die Entscheidung aus Brüssel.

gefunden bei: Bieler Tagblatt (CH)

Nachdem die EU-Kommission das österreichische Importverbot für zwei Genmaissorten von Monsanto und Bayer (MON810 und T25) aufgehoben hat, will Gesundheitsministerin Kdolsky zumindest den Import von genmanipuliertem Saatgut weiter untersagen. Eine entsprechende Verordnung ihres Ministeriums sei bereits in Vorbereitung, sagte Kdolsky am Donnerstag im Nationalrat.

Laut EU-Kommission dürfen beide Maissorten künftig als Nahrungs- und Futtermittel nach Österreich importiert werden, das Importverbot für Saatgut darf vorerst bestehen bleiben.

Die beiden Genmais-Sorten von Monsanto und Bayer sind die einzigen, die in der EU nicht nur als Nahrungs- und Futtermittel, sondern auch zum Anbau freigegeben sind. Kdolsky sagte neben dem Importverbot für dieses Saatgut auch Importverbote gegen eine weitere von Monsanto angemeldete Genmais-Sorte (MON863) sowie gegen drei Raps-Linien von Bayer (Ms8, Rf3 und die Mischform Ms8xRf3) zu. Als Futtermittel zum Einsatz kommt in der österreichischen Landwirtschaft derzeit vor allem genmanipuliertes Soja (u.a. in der Schweinemast).

Die Nationalratssitzung wurde gegen 20.45 Uhr nach fast zwölf Stunden geschlossen. Beschlossen wurde unter anderem noch eine Erleichterung der Beweisführung für Patienten nach Medizinproduktfehlern, kleinere Änderungen im Schifffahrtsgesetz sowie das Luftverkehrsabkommen zwischen der EU und den USA. Den Abschluss bildete die Ratifizierung der Assoziierungsabkommen zwischen der EU und Albanien bzw. Montenegro.

gefunden bei: Kleine Zeitung (Ö)

Von wegen biologisch abbaubar: Monsantos Unkrautvernichter ‘Roundup’

Drei Jahre recherchierte die Journalistin Marie-Monique Robin nach Skandalen des Chemie-Multis Monsanto. In "Le monde selon Monsanto" erzählt sie davon.
Sondervorstellung im Pariser Filmkunst-Kino: Auf dem Programm, ‚Le monde selon Monsanto‘ – die Welt, wie sie Monsanto sieht. Der zweistündige Dokumentarfilm dreht sich unter anderem um die Erfolgsstory von ‚Roundup‘. Vor 30 Jahren führte Monsanto dieses Unkrautvernichtungsmittel ein, heute ist es das weltweit meistverkaufte Herbizid. Filmemacherin Marie-Monique Robin ist überzeugt: das Mittel schaffte seinen Weg an die Spitze der Verbraucherhitlisten nur, weil der Konzern Hobbygärnter und Landwirte täuschte.

Ein Test mit dem Unkraut-Killer: er wirkt, hat aber krebserregende Inhaltsstoffe.
Auf der Packung wurde behauptet, das Produkt sei biologisch abbaubar und vollkommen umweltverträglich. "Das ist aber eine glatte Lüge", sagt die Filmemacherin. Erst im vergangen Jahr hätte ein französisches Gericht Monsanto wegen betrügerischer Werbung verurteilt. Und dass sei nicht das erste Mal: auch in den Vereinigten Staaten gab es schon Verurteilungen. Für die Verbraucher noch viel schlimmer sei aber, dass ‚Roundup‘ nicht nur ein Umwelt-Killer sei, sondern krebserregend wirke, zitiert Robin eine wissenschaftliche Studie. Das Herbizid wird eines Tages verboten, da ist sie sich sicher.

Das Saatgut wird auf den Unkrautkiller abgestimmt

Um den Erfolg seines Herbizids dauerhaft zu machen, hat das amerikanische Unternehmen in den 90er Jahren seine so genannten "Roundup-ready"-Produkte entwickelt. Ein raffiniertes Konzept, denn das Saatgut aus dem eigenen Konzern wird mittels Gentechnik im Labor resistent gemacht gegen das Unkrautvernichtungsmittel. Wer Monsanto-Produkte also im Duo kauft, dem werden deutlich bessere Ergebnisse prognostiziert. Die Abhängigkeit in die man sich begibt, wird nicht thematisiert. "Es heißt immer, gentechnisch veränderte Pflanzen sind der Schlüssel gegen den Hunger in der Welt", sagt Robin. Vielleicht sei das eines Tages mal so. Was heute aber auf den Feldern wächst, stamme zu 90 Prozent aus den Gen-Labors von Monsanto und da seien auch Herbizide mit enthalten.

Wird es in Zukunft nur noch gentechnisch veränderte Nutzpflanzen geben?
Ihren Siegeszug rund um die Welt begannen Monsantos Genpflanzen in den Vereinigten Staaten, der Heimat des Unternehmens. Auch dort recherchierte die französische Journalistin und deckte auf, dass die amerikanische Zulassungsbehörde, die weltweite Referenzadresse schlechthin, Gentech-Saatgut auch aus politischen Gründen zuließ. Wissenschaftliche Studien seien da schon einmal verschwunden. Und keineswegs wurden diese Biotech-Produkte von unabhängigen Experten auf ihre eventuelle Schädlichkeit getestet. "Ein Skandal", meint Francois Malléa, der östlich von Paris einen Bauernhof mit 200 Hektar Land bewirtschaft. Als Weizenbauer ist er bislang noch nicht mit gentechnisch veränderten Saatgut in Berührung gekommen. Doch direkt nach Ende des Monsanto-Films ist auch er in Rage und will gegen die Biotechnologie vorgehen. In Frankreich gebe es bisher eigentlich nur Gen-Mais, sagt er. Doch durch das derzeit diskutierte Gentechnik-Gesetz könnten bald auch andere Kulturen zugelassen werden, so dass Landwirte in Zukunft gar keine Wahl mehr hätten. Konventionelles Saatgut könnte Mangelware werden, weil Monsanto in großem Umfang Saatgut-Lieferanten aufkauft. Und wenn dann die unabhängigen Händler fehlen und Monsanto nur noch Gentech-Saatgut anbietet, dann seien letztlich alle Landwirte davon betroffen.

Mit heimischer Rückendeckung zum globalen Saatgut-Giganten

Fast allabendlich zeigt Filmemacherin Marie-Monique Robin irgendwo im Land ihren Film, immer ist der Saal bis auf den allerletzten Platz besetzt. Häufig gehen die Diskussionen bis spät in die Nacht, auch die Tagesaktualität hilf. In den kommenden Tagen soll das neue Gentechnikgesetz in Frankreich verabschiedet werden. Die Gentechnik-Lobbyisten formieren sich bereits. Der Gasteber an diesem Abend, der grüne Abgeordnete Yves Cochet, will vor der mächtigen Gensaatgut-Lobby aber nicht einknicken: "Vor allem während der französischen EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte wollen wir die Menschen wachrütteln", sagt er in seiner Schlussrede.

Suzanne Krause

Deutsche Welle